Japan, Gruppe E

von Ben Strack-Zimmermann

Lange war Japan eine der Lachnummern im Weltfußball, irgendwo versunken im drögen asiatischen Fußballmittelfeld. Dann erfand man Anfang der 90er Jahre die J-League. Seitdem bessert sich die Lage kontinuierlich. Inzwischen hat Japan den wohl besten Ligaspielbetrieb in ganz Asien, mit vernünftigen Vereinen bis runter in die dritte Liga (Die südkoreanische Liga ist in der Spitze etwas besser, hat allerdings nicht mal einen Zweitligaunterbau). Ja, Fußball ist in Japan so richtig heimisch geworden, und so erntet man immer mehr die gesäten Früchte. Die Qualifikation hat man ziemlich souverän hinter sich gebracht und sich somit zum vierten Mal in Folge qualifiziert. Die Probleme auf der großen Weltbühne sind allerdings nach wie vor dieselben wie 1998, soll heißen: Man hat halt körperliche Nachteile und tut sich deshalb gegen robuste Teams sehr schwer. Außerdem bringt man bis heute keinen klassischen Goalgetter hervor, weshalb man zu viele Chancen braucht. Die Mannschaft versucht das brav mit viel Laufbereitschaft und großem Herz auszugleichen, was allerdings gegen kopfballstarke Teams bei Ecken lediglich Sympathiebonuspunkte bringt. Ob man so die Vorrunde überstehen kann, ist mehr als fraglich. Doch Japan wird sich sicher auch durch ein frühes Aus nicht von der Politik der vielen kleinen Schritte gen Fußballthron abbringen lassen.



Stars
Das Mittelfeld der Japaner ist derzeit wirklich exzellent besetzt und hat mit Shunsuke Nakamura von Espanyol und Makoto Hasebe von Wolfsburg zwei Akteure, bei deren Anblick Fußballfreunde schon mal die Zunge schnalzen lassen können. Auch der nimmermüde Yasuhito Endo von Gamba Osaka und Daisuke Matsui von Grenoble wissen im Mittelfeld zu überzeugen. Dort ist Japan also schnell und gefährlich – wie eigentlich jedes Mal. Hinten hält Yuji Nakazawa alles, so gut es eben geht, zusammen, während man vorne auf die Neuentdeckung der Qualifikation hofft: Shinji Okazaki von Shimizu S-Pulse. Der hat 2009 international getroffen wie kein Zweiter. Vielleicht haben die Japaner also endlich tatsächlich mal einen Stürmer von echtem Format.



Talente
Das gute Ausbildungssystem der Japaner (traditionell spielen dabei weiterführende Schulen und Universitäten die wichtigste Rolle) bringt mittlerweile eigentlich in jedem Jugendjahrgang ein paar talentierte Burschen hervor. Rechtsverteidiger Atsuto Uchida ist ganz sicher einer für die besseren europäischen Ligen, vielleicht derzeit das größte Talent des japanischen Fußballs. Die neuen Namen im Mittelfeld heißen Shinji Kagawa (Cerezo Osaka), Naoki Yamada (Urawa Red Diamonds) und Mu Kanazaki (Oita Trinita). Zur WM hat es leider keiner der drei in den Kader geschafft. Doch vorne hat man noch den Stürmer Takayuki Morimoto, der bei Catania Calcio inzwischen den Durchbruch geschafft hat und bei der WM auch spielen wird.

Tipp
In einer der schwersten Gruppen mit Holland, Dänemark und Kamerun wird es für die Japaner verdammt hart. Unterm Strich wird man wohl körperlich einfach zu unterlegen sein, hat man doch drei physisch besonders starke Teams erwischt. Gut mitspielen wird man wohl können, aber dann ehrenhaft und anständig ausscheiden. Und dann heißt es: sich weiter zäh mit Kontinentalplattengeschwindigkeit an die Weltspitze herankämpfen, hai!

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