Südkorea, Gruppe B

von Ben Strack-Zimmermann

Die bis zum Übertritt Australiens klar beste Mannschaft aus Asien will es diesmal definitiv wissen. Endlich soll es klappen mit dem Achtelfinale fernab der Heimat. Die Voraussetzungen sind gut: Man geht konsequent seinen Weg, bringt in jedem Jahrgang international verwendbare Spieler hervor, hat taktisch und körperlich die letzten Lücken geschlossen und nach dem Rücktritt eines Gutteils der Stars von 2002 eine noch stärker wirkende Mannschaft. Die Qualifikation hat Südkorea eindrucksvoll und ohne Niederlage hinter sich gebracht, und so konnte es kräftig experimentieren und den Kader verbreitern. Das Spiel der Koreaner lebt immer noch von der enormen Laufbereitschaft, die wohl weltweit einmalig ist. Daneben hat man in den letzten Jahren vor allem an der Physis gearbeitet und gezielt große und körperlich starke Spieler aufgebaut – eine kluge Idee, wie überhaupt (ähnlich wie bei den Japanern) die meisten Entscheidungen der Südkoreaner klug und umsichtig erscheinen. Gut auch, dass man sich mittlerweile traut, auf heimische Trainer zu setzen. Diesen Mut sollten viel mehr Nationen aus der zweiten Reihe aufbringen. Man darf gespannt sein. Die Südkoreaner tragen die Köpfe derzeit zurecht hoch und sollten auf jeden Fall ernst genommen werden.



Stars
War man früher doch etwas gesichtslos – persönlich habe ich die Südkoreaner immer als 9 Duracellhäschen und Bum-Kun Cha plus Torwart wahrgenommen-, so hat die Mannschaft mittlerweile doch einige echte Stars zu bieten. Torwartlegende Lee Won-Jae muss man da nennen, Linksverteidiger Lee Young-Pyo (von Dortmund zu Al-Hilal in Saudi-Arabien gewechselt) und unbedingt Innenverteidiger Lee Jung-Soo von den Kashima Antlers in Japan. Alle werden sie aber überstrahlt von Park Ji-Sung, der die Außenbahnen bei Manchester United beackert. Als hängende Spitze brilliert Park Chu-Young, sonst Chef im Mittelfeld des AS Monaco.



Talente
Zwei Nachwuchsspieler haben in der Qualifikation ganz besonders geglänzt. Zum einen Ki Sung-Yeung, ein sehr offensiv agierender Mittelfeldmann, den sich Celtic Glasgow in der Winterpause gekrallt hat, zum anderen einer für alle offensiven Außenpositionen, der bei den Bolton Wanderers herumdüsende Lee Chung-Yong. Beiden muss man eine große Zukunft prophezeien, so professionell gehen sie jetzt schon zu Werke. Die allerneuesten Namen dürften selbst den Experten noch kaum etwas sagen. Ich rassle sie einfach mal runter, damit die Leser für die Zukunft etwas angeben können, auch wenn diese Spieler noch nicht im WM-Kader sind. Gu Ja-Cheol (Jeju United, zentrales Mittelfeld), Park Joo-Ho (Kashima Antlers, defensives Mittelfeld), Choi Chul-Soon (Chonbuk Motors, Defensivallrounder) sowie der koreanische Riese Kim Shin-Wook (Ulsan Hyundai, Sturm beziehungsweise Abwehr, je nachdem wo man gerade Lufthoheit braucht). Es fehlen die starken Verteidiger – ein altbekanntes Problem, das sich anscheinend noch nicht so bald lösen lässt.



Tipp
Man hat eine Gruppe erwischt, in der etwas gehen sollte. Die Griechen muss man eigentlich schlagen. Nigeria ist zwar unberechenbar – aber meistens unberechenbar schlecht. Wie ernst man Argentinien wirklich zu nehmen hat, wird sich ebenfalls erst noch zeigen müssen. Alles deutet darauf hin, dass diesmal das Ziel (mindestens Achtelfinale) erreicht werden kann.

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