Elfenbeinküste, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Mit großer Verpätung hat sich bei der letzten WM eine der wichtigsten Fußballnationen Afrikas vorgestellt und dabei bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwar war man nach zwei Niederlagen schon draußen, hatte aber glänzend mitgespielt und jedes mal knapp und unverdient verloren – und gegen die Fußballgroßmächte Argentinien und Holland darf man als Debütant schon mal ausscheiden. Diesmal soll trotz ähnlich schlimmer Auslosung alles noch besser werden. Dieser Optimismus ist, wenn man die Ivorer so spielen sieht, komplett gerechtfertigt. Die Qualifikation absolvierte man im Schongang. Teilweise wurden die durchaus guten Gegner dabei völlig auseinandergenommen. Der Erfolg hat mehrere Väter: allen voran eine enorme taktische Disziplin und eine fast schon sensationelle Ballsicherheit. Ganz sicher hat man in den letzten Jahren zu den spielerisch eindrucksvollsten Mannschaften auf diesem Planeten aufgeschlossen und beeindruckt mittlerweile auch gegen die erste Liga im Weltfußball. Dabei hat sich allerdings so langsam eine völlig unangebrachte Arroganz ins Spiel eingeschlichen, die man schnellstens abstellen sollte. Noch hat man nämlich trotz einer eindrucksvollen Liste von Weltstars im internationalen Fußballgeschäft gar nichts gerissen. Sehen wir da eine Art Holland-Syndrom am Horizont? Hoffentlich nicht, wäre wirklich zu schade! Die Elfenbeinküste ist seit dem Senegal 2002 das Beste, was Afrika zur WM schickt, und kann vielleicht sogar den Traum vom ersten Halbfinalteilnehmer erfüllen.



Stars
Statt “Die Mannschaft ist der Star” setzt man lieber auf das Motto “Alle in der Mannschaft (bis auf die Torhüter) sind Stars”. Der Kopf ist natürlich Didier Drogba von Chelsea, aber allein im Sturm kann man auf gut ein halbes Dutzend Ausnahmekönner zurückgreifen. Drogbas Mannschaftskamerad Salomon Kalou, Bakary Kone von Olympique Marseille und Arouna Dindane von Portsmouth sind da nur die Speerspitze. Die Ivorer haben ein unglaubliches Stürmerarsenal über Europas Ligen verteilt. Deshalb spielt man meistens mit drei Spitzen und lässt die meisten Mittelfeldspieler etwas defensiver agieren. Schlüsselfiguren sind dabei Didier Zokora vom CF Sevilla und Yaya Toure vom FC Barcelona. Beide sind physisch unglaublich präsent und halten den Zauberern schön den Rücken frei. Ähnliches gilt für Zokoras Mannschaftskollegen Romaric N’Dri und den umsichtigen Ballverteiler von Valenciennes, Siaka Tiene. Auch in der Abwehr sind ausschließlich Könner von internationalem Format vertreten: Emmanuel Eboue (Arsenal), Kolo Toure (Man City), Guiy Demel (HSV) oder Souleymane Bamba (Hibernian Edinburgh). Sensationelle Truppe, die voll im Saft steht und vor deren Physis eigentlich jeder Gegner Angst haben muss.



Talente
Man hat sich kaum für den Einbau von vielversprechenden Jungstars interessiert, die nächsten jungen Stürmer melden aber trotzdem schon Ansprüche an. Gervinho Kouassi spielte diese Saison bei Lille so stark, dass man ihn eigentlich kaum zu Hause lassen sollte. Doch die Ivorer können auf ihn wohl tatsächlich verzichten. Seydou Doumbia hat bei den Young Boys in der Schweiz so fleißig Tore geschossen, dass mit ZSKA Moskau ein größerer Verein einfach zugreifen musste. Er ist im Kader. Für die linke Seite hat mit dem für Rosenborg spielenden Abdoul Razak Traore ein junger Spieler erste Ansprüche angemeldet, muss aber dieses Mal noch zuhause bleiben.

Tipp
Brasilien und Portugal sind natürlich richtig böse Vorrundenlose, aber zumindest die doch etwas wackligen Portugiesen sollte man schlagen können. Eigentlich hat man die deutlich besser besetzte Truppe beisammen. Sollte man Zweiter werden, drohen allerdings die Spanier, so dass der Weg ganz nach vorne eigentlich schwieriger nicht sein könnte. Eine Chance hat man trotzdem. Wir reden hier schließlich von einer ziemlich sensationellen Truppe – jetzt muss halt nur das Quäntchen Glück, das man bisher schmählich vermisst hat, auch mal auf Seiten der Elfenbeinküste sein. Zu hoffen wäre es, es gibt ja diesmal nicht viele Exoten, die etwas reißen könnten.

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