Uruguay, Gruppe A

von Ben Strack-Zimmermann

Wir befinden uns im Jahre 2010. Die ganze Fußballwelt hat sich dem Fairplay verschrieben…Die ganze Welt? Nein, ein von unbeugsamen Südamerikanern bevölkertes Land hört nicht auf, dem Fairplay-Gedanken Widerstand zu leisten! Und so steht auch diese Generation von Spielern aus dem kleinen Ländchen am Rio de la Plata wieder in der Tradition von einstigen Größen wie Billy Bremner, Claudio Gentile oder Andoni Goikoetxea – hätte ich jetzt fast gesagt, wenn ich nicht zu sehr Angst hätte dass mich dafür ein Uruguayo wütend vom Stuhl grätscht. Schließlich sind sie die Referenz – und die eben genannten Herren doch alle nur Eleven in Uruguays Schule des fairen Sports auf dem grünen Rasen. Ich verbessere mich also alsbald und behaupte lieber, dass die heutige Spielergeneration in der Tradition von Jose Emilio Santamaria, Jose Batista und Paolo Montero steht – Namen, bei deren Erwähnung so mancher Chirurg nostalgisch auf seine schwierigsten Operationen zurückblicken kann. Wie üblich hat man auch diesmal eine Mannschaft mit vielen ausgezeichneten Fußballern, die sich allerdings sehr schwer mit der Qualifikation tat. Die Play-Offs gegen Costa Rica waren nervenaufreibend knapp. Woran das lag? Nun, erstens bekommt man zu viele Karten, aber das kennt man ja. Unterm Strich agiert das Team einfach zu konfus, es ist wenig Kontinuität erkennbar. Anspruch und Wirklichkeit haben seit vielen Jahrzehnten nichts mehr miteinander zu tun, und so herrscht im Umfeld ständig Unruhe. Man darf nicht vergessen, dass Fußball in Uruguay ganz klar die wichtigste Religion ist. Bei der Wahl zwischen Jesus und Forlan würde wohl fast niemand den Herren mit den ausgebreiteten Armen wählen. Wahrscheinlich werden wir drei Gesichter von Uruguay bei der WM sehen: Das erste wird sensationell passen, stürmen, kontern und mit herzerwärmendem Einsatz über den Platz jagen, so wie Herakles beim Einfangen der kerynitischen Hirschkuh. Das zweite hingegen wird uns an den Wandertag der Sonderschule Grobmotorikhausen auf LSD erinnern, während das dritte Gesicht vielleicht am besten mit “Mike Tyson, Jack the Ripper und Dirty Harry dürfen mal im Schlachthaus so richtig schön die Sau rauslassen” umschrieben wäre. Also eher etwas für den fortgeschrittenen Fußballfan, der sich nicht so sehr an langweiligen Geschehnissen, etwa an Toren, ergötzt.

Stars
Das Großartigste an den derzeitigen Urugayos ist das Sturmduo Diego Forlan/Luis Suarez (Atletico Madrid/Ajax Amsterdam). Beide können spielen wie der Teufel und sind dazu noch unglaublich treffsicher – vielleicht sogar mit das aufregendste Sturmduo bei der gesamten WM. Dahinter führt Alvaro Pereira (FC Porto) ein dichtes und “kampfstarkes” Mittelfeld an. Neben ihm agieren der eher offensive Sebastian Eguren (gerade von Villareal an Lazio ausgeliehen) und der humorlos defensiv agierende Diego Perez vom AS Monaco. Die Innverteidigung ist bei Uruguay immer ein Vorbild sowohl an Güte als auch Härte. Das gilt natürlich auch für Diego Lugano (Fenerbahce) und Diego Godin (Villareal). Nachdem man längere Zeit ein ernsthaftes Torwartproblem mit sich rumschleppte, hat man mit Fernando Muslera von Lazio jetzt doch einen ordentlichen Mann gefunden. Schon eine gute Truppe, aber es fehlt mindestens ein Künstler im Mittelfeld. Die eigentlich starken Defensivleute kassieren viel zu viele Tore.

Talente
Martin Caceres von Juve komplettiert die 3er-Abwehrkette, mit der man inzwischen meistens antritt. Er macht dies wirklich gut – aber mindestens ein großes Verteidigertalent hat Uruguay halt immer. Nicolas Lodeiro soll den vermissten Schwung ins Mittelfeld bringen. Er ist der nächste Uruguayo, den sich Ajax unter den Nagel gerissen hat. Suarez habe ich für den Sturm schon erwähnt. Ebenfalls ein interessanter Name für die Zukunft ist Edison Cavani, der bei Palermo jede Saison noch mehr beeindruckt.

Tipp
Vorne und hinten hui, in der Mitte eher mau bzw. halt einfach etwas zu bieder, dazu deutlich zu hart für den modernen Muttersöhnchenfußball. So kann das eigentlich nichts werden, in einer bis auf die wahrscheinlich desolaten Gastgeber doch sehr ausgeglichenen Gruppe. Trotz aller Probleme, die ja auch Mexiko und Frankreich plagen, ist Uruguay wohl eher ein Außenseiter. Natürlich ein sehr gefährlicher Außenseiter mit ein paar echten Könnern und einem Ruf bei dem sich mancher Gegner zurecht vorher ordentlich einscheisst – aber unterm Strich hat man mit ähnlich starken Kadern schon ewig nichts mehr gerissen. Es wird verdammt schwer werden.

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