Nigeria, Gruppe B

von Ben Strack-Zimmermann

Nigerias Nationalelf hat nach dem erstmaligen Betreten der Weltfußballbühne 1994 eine klare Richtung eingeschlagen. War man damals noch richtig stark, so muss man die nächsten beiden Auftritte wohl mit “gut” und “schwach” bewerten. 2006 war man dann gar nicht mehr dabei, es ging also stramm nach unten. Diesmal hat man sich in letzter Sekunde hochdramatisch zur WM gezittert, hinterlässt den neutralen Beobachter aber weitgehend ratlos. Talentierte Ballbehandler hat man ja immer en Masse, wahrscheinlich stellt Nigeria weltweit nach Brasilien die meisten Legionäre, aber den wenigsten Trainern gelang es zuletzt, aus dieser Masse auch nur irgendwas zusammenzustöpseln, was nach Mannschaft aussieht. So wie das Land sich generell darstellt, so ist derzeit auch der Fußball – zerrissen, von Funktionären erstickt, einfallslos, öd und brach. Und richten soll es am Ende der liebe Gott – Nigeria ist das Land mit den wenigsten Ungläubigen weltweit. Trainer war bei der der ersten Version dieses Artikels noch Shaibu Amodu, aber das musste man fast schon traditionellerweise wieder mal ein halbes Jahr vor Turnierbeginn ändern. 2002 hat man den Trainer kurz nach dem Afrikacup rausgeworfen – wahrscheinlich einfach nur um der Welt zu beweisen, dass man in Funktionärskreisen jederzeit bereit ist, alle Erwartungen in Hinsicht auf die Unfähigkeit der Entscheidungsträger in diesem bedauernswerten Quatschland zu erfüllen. Amodu hat sich das müde Gekicke unter seinem Vorgänger angeguckt und dann einfach kapituliert: Er ließ unterm Strich interessanterweise gar keine Taktik spielen. Die meisten Spieler sind angewiesen, stur und einfallslos zu verteidigen. Das Zusammenspiel ist komplett willkürlich. Wenn man Chancen kreieren will, dann tut man dies so wie Wales ungefähr 1908. Auf gut Deutsch drischt man den Ball planlos vor und hofft, dass irgendjemand schnell genug ist. Da bekanntermaßen alle Nigerianer fantastische Athleten und gazellengleich schnell sind, klappt das sogar. Man ist gar nicht so erfolglos, wie man sein müsste. Kompletter Horror, dass man dieses Gestümper in Südafrika ertragen muss! Dank einer sehr lösbaren Gruppenauslosung ist sogar etwas drin für Nigeria. Beim Finden eines Nachfolgers für Aimodu tat man sich schwer. Die Namen Hiddink und van Gaal wurden genannt, was immerhin zeigt, dass man auch in der Disziplin Größenwahn mit den ganz Großen mithalten kann.

 Trainer wurde dann Lars Lagerback.

Stars
Stars hat man ordentlich am Start – meistens schaffen sie es vorzüglich, sich gegenseitig zu neutralisieren. Da wäre zum Beispiel Joseph Yobo, erfahrener Abwehrschlachtturm aus Everton. Oder Taye Taiwo, der superschnelle Linksverteidiger aus Marseille. Mit defensiv- bis zentralen Mittelfeldspielern kann man sich in Nigeria tot schmeißen, da ist z.B. Yussuf Ayila von Dynamo Kiew. Schade, dass man im modernen Fußball nicht mit vier defensiven Mittelfeldspielern aufläuft. Doch vielleicht probieren es die Taktikfüchse aus dem sympathischen Öl- und Bürgerkriegsland ja mal. Spannende Stürmer hat man auch immer. Deren Pflicht scheint zu sein, möglichst wenig Bindung zum Spiel zu finden. Peter Odemwingie von Lokomotiv Moskau spielt so etwas wie einen hängenden Stürmer, Uche läuft sinnlos herum. Irgendwann kommen meist Kanu und Martins und nehmen sich gegenseitig die Bälle weg. Trotzdem torgefährlich, weil halt alles Einzelkönner.



Talente
Hat man immer, derzeit wird Ayodele Adeleye (Jodeldiplom?) als der nächste heiße Scheiss in der Abwehr gehandelt. Er spielt bei Sparta Rotterdam. Ebenso auf der Scoutingliste von halb Europa ist Uwa Echiejile aus Rennes. Vorne ist das Top-Talent Victor Obinna, unter Vertrag in Malaga. Doch der Hype um ihn ist schon wieder etwas am Verglühen. Einen Außenstürmerrohdiamanten hätte man in Sone Aluko von Aberdeen, man lässt lieber mit 2-5 Mittelstürmern spielen. Schließlich will man in keinster Weise modern wirken.



Tipp
Griechenland und Südkorea, dazu Maradonas wacklige Argentinier – eine Auslosung, wie man sie sich feiner nicht von einer dicken Hexenmami, mit einem Hintern wie ein aufgepumptes Flusspferd, herbeiwünscheln lassen kann. Trotzdem sollte man es schaffen, alle Fans zu enttäuschen, und trotz erdrückend guter Fußballer irgendwie sang- und farblos auszuscheiden. Danach hat es wieder jeder besser gewusst, und man kürt nach hartem Gerangel einen Flaschenkürbis oder eine Ahnenfigur mit sehr langem Gemächt zum neuen Trainer, und das Gestümper kann in die nächste Runde gehen.

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