Ghana, Gruppe D

von Ben Strack-Zimmermann

Spät hat sich eines der wichtigsten Fußballländer Afrikas erst bei einer Weltmeisterschaft präsentieren dürfen. Dafür war die Premiere in Deutschland gleich vielversprechend, konnte man doch die zweite Runde erreichen und dabei die arrivierten Tschechen demütigen. Vier Jahre später scheint man mindestens genauso gefährlich zu sein. War die Qualifikation in der ersten Gruppenphase noch recht holprig, so schaffte Ghana es dann doch, sich zu steigern und sich unterm Strich ziemlich mühelos zu qualifizieren. Das Team ist gut eingespielt und über die letzten Jahre organisch gewachsen. Man spielt für afrikanische Verhältnisse äußerst diszipliniert. Hinten solide, im Mittelfeld absolut brillant, nur vorne fehlen halt sichere Verwerter, aber auch da hat man qualitativ wenigstens in der Breite zugelegt. Beim Afrikacup trat man mit wenigen Stars fast schon mit einem B-Kader an und konnte trotzdem einen starken zweiten Platz erreichen. Die Gruppengegner sollten also gewarnt sein. Die schier endlosen Reserven in der fußballbegeisterten ghanaischen Jugend lassen für die nächsten Jahre noch Großes erwarten, aber eigentlich will man dieses Mal schon so richtig durchstarten und die Welt noch etwas mehr beeindrucken.



Stars
Einiges an Ghana ist gehobene Spitzenklasse, das Mittelfeld ragt da ganz besonders hervor. Michael Essien (Chelsea) ist leider verletzt. Doch bei Namen wie Sulley Muntari (Inter) und Stephen Appiah (FC Bologna) kann man sich als Gegner schon mal ein bisschen in die Hosen machen – so fein können die den Ball laufen lassen. Appiah hat eine kuriose Zeit hinter sich, da er wegen einer Verletzung zeitweise ohne Verein war. Den Clubs war das Risiko zu groß. In der Nationalmannschaft war er aber weiter sehr erfolgreich aktiv. So richtig versteht diese seltsame Geschichte eigentlich niemand. Auch hinten hat man mit John Paintsil von Fulham oder John Mensah von Fulham gute Leute. Und zum Glück für Ghana kam im WM-Jahr auch Mittelstürmer Asamoah Gyan (Stade Rennes) wieder in Form.



Talente
Wie Sand am Meer gibt es Talente. Man ist ja auch schon wieder Juniorenweltmeister geworden. Zählen wir also mal auf: Rechtsverteidiger Samuel Inkoom vom FC Basel, Defensivkante Isaac Vorsah von den Hoffenheimern. Der Offensivallrounder Agyemang Opoku vom katarischen Verein Al-Sadd hat es nicht in den Kader geschafft. Doch weiter: Flügelstürmer Andre Ayew vom französischen Zweitligisten Arles, dann der linke Mittelfeldmann Kwadwo Asamoah von Udinese und Mittelstürmertalent Dominic Adiyah vom AC Mailand. Aber so ist das halt inzwischen grundsätzlich bei Ghana, Talent ist bis zum Abwinken da.



Tipp
Das wird ein heißer Tanz mit Australien und Serbien um Platz 2, wenn man die Deutschen mal als Gruppensieger annimmt, was ich persönlich bei der Qualität dieser Gruppe schon ein wenig problematisch finde. Eigentlich kann da alles passieren. Ghana hat mit seinen spielerischen und athletischen Möglichkeiten alle Chancen, um letztendlich zu bestehen. Wenn man halt noch ein bisserl torgefährlicher wäre und sich mal einen Torwart zulegen würde, dann würde ja tatsächlich so richtig was gehen.

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