Dank Mehal Shah und der 30. Episode des IGNITe-Podcasts habt ihr keine Chance mehr gegen mich am Scrabble-Tisch. Ich kenne jetzt all die fiesen Tricks der Profis – außerdem musste ich gerade sehr lachen. Trauste dich jetzt noch, Scrabble-Max? Überhaupt sind eine Menge dieser Podcasts dort sehr gelungen.

Dune_Avalon_Hill Zwar sind die Sechzigerjahre längst vorbei, da aber derzeit anscheinend jeder Mensch, auch wenn ihm nur das Verdienst zufällt, damals studiert zu haben, seine nichtige Meinung dazu öffentlich kundtun muss, habe auch ich etwas zu sagen, ohne damals schon studiert, geschweige denn überhaupt gelebt zu haben: Endlich ist mein Nachbau von Avalon Hills legendärem, längst vergriffenem Brettspiel Dune aus dem Jahre 1979 fertig. Mit den Sechzigern hat das nur insofern etwas zu tun, weil es auf Frank Herberts Science-Fiction-Epos Der Wüstenplanet basiert, das wohl ein sogenanntes Kultbuch der 68er gewesen sein soll. Kann das mal jemand demnächst öffentlich bestätigen? Ein guter Roman ist es allemal, auch wenn ich irgendwann im vierten Band zu lesen aufgehört habe.

Eine Heidenarbeit, dieses Brettspiel, meine Güte! Das ging nicht so einfach wie Twilight Struggle (Bastelstunden-Bericht hier). Ganz schön viel Geschnipsel und Laminieren. Aber nette Menschen haben im Dune-Eintrag auf boardgamegeek.com sämtliche Materialien, die es braucht, bereitgestellt, man muss sich nur das Richtige zusammensuchen. Hilfreich war da auch noch ein Podcast über Dune eines Menschen, der auf seinem Blog Print and Play Spiele bespricht, die man sich basteln kann und darf.

Natürlich geht es um die Vorherrschaft auf dem Wüstenplaneten. Bis zu sechs Parteien kämpfen um die “Melange”, um das Spice, das auf dem Planeten wächst und den Antrieb der Raumschiffe ermöglicht. The spice must flow, heißt es, sonst geht alles kaputt. Mir erscheint besonders interessant, dass jede Partei unterschiedliche Fähigkeiten mitbringt und deshalb jeweils vollkommen eigene Spielstrategien verfolgen muss. Die Spieler müssen Regionen des Planeten besetzen, dort das Spice abbauen und hoffen, dass weder Wüstensturm noch Riesen-Sandwürmer ihre Truppen vernichten und die Ernteerträge wegpusten bzw. aufessen. Unter gewissen Bedingungen dürfen Allianzen geschmiedet werden, am oder abseits des Spieltisches, an die es sich zu halten gilt, bis wieder ein sogenannter Nexus eintritt und neu verhandelt werden darf. Das Spiel scheint mir eine äußerst spannende Mischung zu bieten aus Strategie, Taktik und Diplomatie. Bin sehr gespannt auf die erste Proberunde. Die User-Besprechungen auf boardgamegeek sind größtenteils schwer begeistert und außerdem hat sich eine meiner Lieblingskapellen Giant Sand ursprünglich nach diesen Riesen-Sandwürmern benannt, bis irgendwann der -worms am Ende des Bandnamens wegfiel. Scheint ein Wahnsinnspiel zu sein. Muss ich bald man wieder David Lynchs Verfilmung anschauen. So zur Einstimmung. Zu Ende lesen werde ich diesen Schinken in diesem Leben nicht mehr. Bin ja kein 68er.

twilight.jpg Momentan kommt gerade meine länger verschüttete Brettspielbegeisterung wieder zurück und prompt habe ich ein neues Lieblingsspiel. Es heißt “Twillight Struggle” und behandelt die Geschichte des Kalten Krieges. Ich habe es in der Tolle-Spiele-Liste auf boardgamegeek.com entdeckt und mir dann, soweit es mit Netzmaterialien ging, selber gebaut. Das Spiel ist leider derzeit vergriffen und meines Wissens in Deutschland gar nicht erst erschienen. Nach den ersten beiden Testspielen lautet das Fazit: Wahnsinn, spannend, toll – aber eigentlich müsste, würde man dem Spiel glauben, die Sowjetunion die einzig verbliebene Supermacht sein. Ich habe als Amerikaner in beiden Spielen sang- und klanglos verloren, einmal schon Mitte der 60er und bei zweiten Mal irgendwann in den 70ern. Jeder Spieler versucht möglichst viel Einfluss in möglichst vielen Ländern der Welt zu erringen. Trotz des schönen Spielplans ist Twilight Struggle, wie es so schön heißt, card-driven. Jeder Spieler bekommt pro Runde eine gewisse Anzahl an Karten mit geschichtlichen Ereignissen auf die Hand, die er dann möglichst geschickt ausspielen muss, um letzten Endes Siegpunkte zu ergattern, die man für bestimmte Spielkonstellationen erhält. Immerhin habe ich bisher die Welt nicht für meine miese Geostrategie bestraft und mit Anstand verloren, ohne einen Atomkrieg ausgelöst zu haben. Dafür war der Russe allerdings schneller im All als ich, trampelte, um mich zu demütigen, durch Japan, Israel und Australien. Als Frankreich den Kommunismus einführte, wurde mir allmählich mulmig und spätestens als in den meisten Ländern Mittel- und Südamerikas die roten Fahnen gehisst wurden, war klar: Nix mit freedom und so für die Welt! Ich habe verloren. Und sicherlich haben sich diese Hippies in den USA, die der Russe geschickt hat, gefreut. So ein schönes Spiel! Das nächste Mal spiele ich den Russen! Ich glaube, die sind besser.

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