Ich habe gerade ein Rätsel gelöst, von dem ich bis vor ein paar Minuten noch gar nichts wusste. Aber ich verrate die Lösung: Die Band, die heute zur 110-Jahres-Feier der Young Boys aus Bern im Anschluss an das Spiel gegen St. Gallen im Stade de Suisse unter dem Namen “The Häberlis” auftritt, ist: Züri West. Nicht schlecht, oder?

Eigentlich wollte ich nur ein paar Songs anhören, die auf dem EM-Sampler “Lieber ein Verlierer sein …” erscheinen werden. Auf diesem Sampler werden auch Züri West mit dem Song “hütt hei sie wieder mau gwunne” vertreten sein. Auf deren Homepage habe ich dann den entscheidenen Hinweis gefunden, um das Rätsel zu lösen. Es stand da einfach drauf.

Also EM-Songs. Wir warten weiterhin gespannt auf Christina Stürmers Versuch, den sie laut em-blogger.at am 26.3.2008 beim Freundschaftsspiel Österreich – Holland vorstellen wird. Ich kann es kaum erwarten. Echt jetzt!

Nur rein vorsorglich habe ich mich derweil mit besagtem Sampler auseinandergesetzt, der bei Las Vegas Records Ende des Monats erscheint – in Kooperation mit FM4 und dem Fußballmagazin ballesterer. 2 CDs, bezeichnet mit “Jubelstimmung” und “Katerstimmung”, mit 30 Bands aus Österreich und der Schweiz. Ein paar Songs kann man sich auf der zugehörigen MySpace-Seite anhören. Dort gibt es auch die komplette Tracklist. So richtig von den Socken haut mich da bisher zwar auch kaum ein Song, aber ein Urteil wäre aufgrund dieser kurzen Auswahl dann doch ein wenig verfrüht und unfair.

Der Sampler “Lieber ein Verlierer sein… – ein Soundtrack zu einem unsagbar wundervollen Fußballturnier” entsteht als Gegenstimme zu Elton John und Reinhard Fendrich, zu Regierungschefs in Nationaltrikots und unreflektierten Chauvinismus, zu Homophobie und Sexismus, die noch immer so manche Fankurve beherrschen, zum Konzept der totalen Überwachung, das seit Jahren in den Stadien Europas auf der
Tagesordnung steht, zu überteuerten Sponsoringzonen und zur Kommerzialisierung der letzten Freiheiten, die diese wunderbarste aller Sportarten bietet.

So liest sich das Konzept. Gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Mit dabei sind neben Züri West, die Aeronauten, TEXTA, Cafe Amigo, Monomania, Kreisky und so weiter. Besonders gespannt bin ich auf den Song von Auf Pomali (MySpace), die ich – fragt mich nicht wieso – irgendwie goldig finde.

Alles schön und gut, aber am meisten für diesen Sampler eingenommen, hat mich dann doch das youTube-Video, das auf der MySpace-Seite des Samplers – die Götter wissen warum – gepostet wurde. Ach Gott, was werd ich da sentimental! Und das, obwohl ich George Best gar nicht erlebt habe. Anschauen darf man es nach dem Klick.

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Was Frau Stürmer zur EM gesanglich beitragen wird, ist immer noch nicht bekannt. Wir sind weiterhin gespannt, das hat sich nicht geändert seit dem Beitrag EM-Hymnen (Teil 1). Echt jetzt! Bekannt ist mittlerweile, dass Shaggy mit offiziellem UEFA-Siegel den EM-Song “Like A Superstar” verbrechen durfte. Der Song, ja mei, geht schon so einigermaßen. Ein paar Beats, Sprechgesang, nix zum Mitsingen, vielleicht ein wenig Hüftwackeln, als ob durch ein durchschnittliches Lied eines Karibik-Stars so etwas wie jamaikanisches Flair aufkommen könnte auf den nicht gerade für ihre Bombenstimmung bekannten Tribünen der Schweiz und Österreich. Das Video zum Song vernichtet diese kleine Hoffnung jedoch vollständig.

Die beiden EM-Maskottchen Karius und Baktus aka Trix und Flix schießen sich den offiziellen EM-Ball zu auf akurat gekämmten Bergwiesen, machen ein paar Hampelmann-Tricks, die mit Fußball gar nichts zu tun haben, bevor sie, getrieben von den Beats, zum Breakdancen anfangen. Im Hintergrund gibt es schneebedeckte Berggipfel zu bestaunen, alles in einer dermaßen flächigen, klinisch-reinen Computer-Animation präsentiert, die jegliche Hoffnung zunichte macht, dass diese Bergluft tatsächlich Sauerstoff zum Atmen enthalten könnte. Wie zum Beweis dribbeln sich die Maskottchen bald durch ein zwar brav um den zentralen Brunnen gebautes, jedoch völlig entvölkertes Bergdorf, das nur die Vermutung zulässt, man habe extra für die EM sämtliche Spuren menschlichen Lebens mit dem Kärcher entfernt. Was mit den Menschen selbst passiert ist, möchte man sich gar nicht mehr vorstellen. Schließlich finden Trix und Flix doch noch ihren Weg in ein scheinbar vollbesetztes Stadion: Zumindest das Blitzlichtgewitter auf den Rängen während des lächerlichen Maskottchen-Tanzes im Mittelkreis könnte darauf hindeuten, dass dort Menschen sitzen, und doch zeigt es erschreckend deutlich, wie man sich das ideale Fußball-Publikum vorstellt: als gesichtslose Masse von Jubelpersern, die ein wenig Hintergrundstimmung für das Fernsehen produziert, und wer “Arschloch” schreit, fliegt raus!

Es ist immer wieder erschreckend, dass Menschen, die sich doch eigentlich professionell mit der Produktion von Bildern beschäftigen, offensichtlich keine Idee davon haben, was sie da tun. Nicht den Hauch einer Ahnung von der Semiotik der Zeichen, aber Geld dafür bekommen! Und falls diese Menschen doch Bescheid wissen sollten, was ich in meinem unerschütterlichen Glauben an das Gute eigentlich ausschließe, dann ist so ein Video entweder zynisch oder wirklich gewollt bösartig. Das Video kann und sollte man sich hier auf youTube anschauen.

Die Reihe “EM-Hymnen” wird selbstverständlich fortgesetzt. Es gibt auch Gutes, ich bin mir sicher!

Die EM kommt allmählich näher, aber in Sachen EM-Song herrscht totale Konfusion. Eigentlich – so möchte man doch meinen – sollte es ein offizielles Lied für Schweiz und Österreich gemeinsam geben. Aber nichts da!

Klar ist: Österreich wird einen eigenen offiziellen EM-Song bekommen von Christina Stürmer. Irgendwann im März wird dieser Song vorgestellt. Ich kann’s kaum erwarten. Echt nicht.

Auch klar ist: Rainhard Fendrich hat einen inoffiziellen EM-Song aufgenommen – mit den drei Nationalspielern Ivanschitz, Payer und Janko und den Wiener Sängerknaben. Der Song heißt Wir sind Europa und ist – sagen wir es ruhig einmal frei heraus – an Scheußlichkeit kaum zu überbieten. Fendrich habe die Melodie erträumt, kann man hier auf der Seite von Radio Burgenland lesen. Ein YouTube-Video dieses Liedes mit “Top-Ten-Potenzial” (stern.de) kann jeder, der es ertragen kann, hier sehen. “Wir sind Europa, das Herz der Welt, stehen zusammen wie Blumen im Feld.” Und Schwamm drüber! Wahnsinn!

Ein wenig rockiger, aber ebenso inoffiziell, versucht es die Band Freilaut mit einem Song namens – dreimal raten! – Cordoba. “Im Strafraum ein Haken, ein Schuss – wie wir’s machen ist doch klar – so wie in Cordoba”, heißt es da und schon tut’s einem leid, dass dieses Cordoba immer noch der Weisheit letzter Schluss in Sachen Fußballyrik bei unseren Nachbarn zu sein scheint. Armes Österreich. Ist ja erst 30 Jahre her. Ansonsten ist das halt ein stinknormales Stadion-Rocklied, einfallslos, mit viel Schalala zum Mitgrölen. Und jetzt alle … Wahrscheinlich stellt sich Uli Hoeneß so Stimmung vor. Hier kann man es anhören und dann vergessen.

In der Schweiz machte sich DJ BoBo die (überflüssige) Arbeit, eine offizielle EM-Hymne zu schreiben. Seinem eigenen Geschmack traut er dabei anscheinend nur wenig über den Weg. In einer Internetabstimmung wollte er von seinen Fans wissen, ob jetzt Let The Games Begin oder Ole, ole besser sei. Wie man sich in der Schweiz entschieden hat? Keine Ahnung. Egal. Unterirdisch. (Ole, ole hat gewonnen.) Achja, wer unbedingt will: Hörproben gibt es hier auf 20min.ch.

“So gut klingt die EURO 2008 in Bern” heißt es auf der offiziellen Euroseite Berns und – surprise, surprise! – so schlecht klingt die Euro in Bern tatsächlich nicht! Immerhin war man dort so mutig, einen Song der Hip-Hopper Wurzel 5 zur offiziellen Euro-Stadt-Hymne zu erklären. Lueg Zu Dim Bitz versteht zwar kein Mensch, weil es berndeutsch ist, aber dafür hat das Ganze mit diesem anbiedernden, achso völkerverständigendem Geheule eines Fendrich wirklich nichts zu tun. Immerhin etwas!

Wurzel 5: Lueg Zu Dim Bitz


Quelle: Euro08-bern.ch

Soweit erstmal! Bewusst unerwähnt – kleiner Rethorik-Gag – lassen wir die Schweizer booze mit ihrem Song Fahnenmeer und die Österreicher Alone mit ihrem Anti-EM-Song Wir geben uns die Kugel. Alles muss man sich dann auch nicht anhören!

Wir bleiben dran an diesem Thema, sozusagen am Ball.

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