Ich kann nur spekulieren, wofür Zeitungen (hier der Tages-Anzeiger) eigentlich Korrespondenten vor Ort haben.

… schauen wir heute nicht die Sendung “Aus gegebenem Anlass” im ZDF, sondern viel lieber ein Video von Das Bierbeben, das die Lösung aller fernsehspezifischen Probleme ganz einfach und für alle nachvollziehbar auf den Punkt bringt:
(hier auf YouTube)
Soll ich jetzt zum Fußball immer in die Kneipe gehen, oder was?
Als große Pathos-Brüder habe ich die Schweizer bisher nicht wahrgenommen, aber jener Fernsehbeitrag, den das Schweizer Staatsfernsehen aus den ersten öffentlichen Äußerungen von Alexander Frei nach seiner Verletzung fabrizierte, belehrt mich dann tatsächlich eines Besseren. Großes Kino der Emotionen, Zeitlupe, Klaviermusik, eine Nation weint. Man kann es auch übertreiben, behaupte ich jetzt mal so distanziert und kühl.
Ein wenig peinlich ist mir, dass mir Freis Verletzung immerhin so nahe ging, dass ich während der Live-Übertragung des Spiels tatsächlich den Raum verlassen habe und dem Schlusen eine SMS schreiben musste. In manchen Momenten wollen Männer eben alleine sein, hüstel, oder unter anderen Männern, ähm. Wahrscheinlich hätte mein Film in diesem Moment, falls ich einen hätte produzieren müssen, ziemlich ähnlich ausgesehen.
Heute Abend gegen die Türken also ohne Frei. Ein Elend!
(via medienlese.com)
Dass ich momentan das Gefühl habe, eine neue Bewusstseinsstufe erreicht zu haben, liegt einerseits an Lars Jensen, andererseits am Sturmtief Emma. Erstgenannter hat vor ein paar Wochen in der FAS einen Artikel über die Fernsehserie “The Wire” geschrieben, der mir als ausgesprochenem Fan von Cop-Filmen gar keine andere Möglichkeit lies, als mir diese Serie schleunigst zu besorgen, um mit eigenen Augen zu sehen. Emma dagegen hat mir durch ihr Wüten draußen vor der Wohnungstür die nötige innere Ruhe gegönnt, um stundenlang ohne schlechtes Gewissen vor dem Fernseher sitzen zu können und die erste Staffel am Wochenende durchzusehen. Kurzes Resümee: Ich werde auch die Staffeln zwei, drei, vier und fünf anschauen – und zwar komplett, was ich bei keiner anderen Fernsehserie bisher getan habe, weil mich Serien im Normalfall einfach langweilen und ich im Fernsehen bisher beim besten Willen keinen recht viel größeren Sinn sehen konnte, als mir ab und an Fußballspiele (ehrlicher: fast jedes) anzuschauen. Natürlich hat auch “The Wire” so gut wie gar nichts mit dem deutschen Fernsehen zu tun. Die Serie wurde vom amerikanischen Privatsender HBO produziert. Und selbst wenn einer dieser deutschen Privatsender diese Serie zeigen würde, könnte ich es nur unter Schmerzen ertragen, weil ich diese dauernden Werbeunterbrechungen nicht aushalten kann, wie ich bei meinem Fernsehversuch mit “24″ einfach einsehen musste. Ich habe doch keine Lust, mir alle zehn Minuten mit voller Grausamkeit zeigen zu lassen, was ich für diese Menschen bin: Quotendepp für Werbekunden. Aber es geht ja hier um “The Wire” und nicht um RTL.
Tatsächlich musste ich einsehen, was vielleicht altbekannt ist, mir ignorantem Cineasten allerdings bisher wie ein Lippenbekenntnis erschien: Es könnte tatsächlich ein Fernsehen geben, das in mancher Weise dem Kino überlegen ist. Banal? Kann sein. Für mich ist das beinahe weltbild-erschütternd. Man kann tatsächlich über dreizehn Stunden eine mordskomplexe Geschichte erzählen, ohne jedes Mal zu Beginn zusammenfassen zu müssen, was bisher passiert ist. Man kann Charaktere derart entwickeln, dass sich ganz nebenbei komplexe, changierende Persönlichkeiten ergeben, die je nach Situation sympathisch erscheinen, dann jedoch wieder äußerst fragwürdig. Man kann tägliche Basis-Polizeiarbeit mit komplizierten politischen Machtspielchen verschränken, Intrigen, Ränkeschmiedereien, Druck und Gegendruck entwickeln, ohne dabei den Plot geschweige denn die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Schwer beeindruckend, wie hier die Rädchen ineinander greifen, wie langfristig angelegte Subplots später Bedeutung bekommen, wie Hauptplots sich in Luft auflösen und man sich ähnlich gefrustet wie jene Polizeieinheit fühlt, weil ein scheinbar erfolgsversprechender, mit großem Ermittlungsaufwand angelegter Weg in eine Sackgasse mündet. Wahrscheinlich funktionieren gute Serien immer so. Vielleicht habe ich einfach noch keine mit genug Ausdauer angeschaut. Sonst würde mir jetzt vielleicht nicht gar so ein Licht aufgehen. Egal! Mein Problem. “The Wire” (Wikipedia) ist zumindest, soweit ich das nach Staffel 1 einschätzen kann, sensationell. “Copy that!”, wie wir Baltimore-Cops zu sagen pflegen. Check’s halt!
