Heute wäre Steve McQueen 80 Jahre alt geworden.

Vor ein paar Tagen erst, beim Pressescreening von From Paris with Love mit John Travolta, habe ich mir erst wieder gedacht, wie öde diese hyperventilierenden, hektisch geschnittenen Action-Szenen sind, die man im Kino mittlerweile vorgesetzt bekommt. Keine vernünftigen Stunts mehr, keine Körperlichkeit, nichts passiert mehr wirklich. Bezeichnenderweise hat sich der amerikanische Star-Filmkritiker Roger Ebert bei seiner Besprechung dieses Films genau auf diesen Aspekt konzentriert. Diesmal ist es sogar mir kleinem Licht aufgefallen, aber diese Computerschlampereien nerven mich schon geraume Zeit. Erst einmal ist Film Bewegung, dann kommt der Schnitt. Einer der letzten Action-Filme, dem ich das Gezeigte auch geglaubt habe, war übrigens Tarantinos Death Proof. Es gab echte Car Chases mit echten Stunts, ohne Schnitte im Sekundentakt, die das Gesehene nicht mehr nachvollziehbar machen.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Bullitt von Peter Yates mit eben Steve McQueen. Ich bin immer wieder begeistert von der berühmten Verfolgsungsjagd: dieses minutenlange Pirschen der beiden Autos durch San Franzisko, dieses Lauern, diese unterdrückte Kraft des Ford Mustangs. Man wartet auf eine Explosion und dann endlich, endlich heulen die Motoren und es geht los! Das ist so brilliant. Ich kann mir die Szene dutzende Male anschauen. Bullitt hat übrigens einen Oskar bekommen – für den besten Schnitt. Natürlich erwähnt Ebert diesen Film in seiner Kritik, als Beispiel aus besseren Zeiten. McQueen hat seine Stunts selbst gemacht.

Der folgende Ausschnitt ist nicht aus Bullitt, sondern aus einem Dokumentarfilm über die Leidenschaft für das Motorradfahren. Der Film heißt On Any Sunday, ist von 1971 und wurde gedreht von Bruce Brown, der dafür sogar eine Oskar-Nominierung bekam. Auch Steve McQueen kommt darin vor. Der Ausschnitt zeigt die letzten paar Minuten des Films, der wunderbar kitschig endet: Steve McQueen am Strand mit Kumpels bei Sonnenuntergang auf Motorrädern.

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Früher ist das Auto partout nicht angesprungen. Heute hat das Telefon keinesfalls Empfang, wenn es der Filmheld mal wirklich braucht. Rich Juzwiak hat diese obligatorische Szene aus 66 verschiedenen Horror- und Suspensefilmen der letzten Jahre zusammen gebaut. Gibt es eigentlich überhaupt einen neueren Horrorfilm, der spannend ist, obwohl das Mobil-Telefon wunderbar funktioniert? Der Drehbuchautor davon wäre auf jeden Fall ein Gott des raffinierten Filmplots.

Äußerst lesenswert ist Hans Schmids dreiteiliger “Bericht über eine Reise nach Absurdistan” auf telepolis. Der Autor versucht darin, quasi als Rahmenhandlung, Mario Bavas Film Ecologia del delitto von 1971 zu erwerben, einen Film, der von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien 1983 indiziert wurde und somit nicht mehr verkauft werden darf. Natürlich geht es um Zensur und Meinungsmache, Inkompetenz und Ignoranz, um den Unterschied zwischen “gutem Töten” und “bösem Töten” und um die absurde Tatsache, dass ein paar Filmsekunden darüber enstcheiden, ob ein Film jugendgefährend ist oder nicht.

Eine – zugegebenermaßen polemische – Stelle mag ich besonders gern. Der Autor schreibt da über Ten Little Indians von George Pollock, eine Agatha Christie-Verfilmung.

Ich verlange nicht, dass Ten Little Indians auf den Index kommt. Es stellt sich aber die Frage, was Bava falsch gemacht hat und Pollock richtig. Zunächst ist da natürlich die Gewalt. Hitchcock war irgendwann angewidert von Filmen, in denen es “Peng” macht und dann fällt die Leiche um. Deshalb zeigte er in Torn Curtain (Der zerrissene Vorhang) und in Frenzy, dass es viel schwieriger ist, einen Menschen umzubringen, als es uns im Kino meistens vorgegaukelt wird. Bava empfand das wohl so ähnlich. Pollock dagegen hielt sich an die Regeln. Bei ihm ist man weit weg, wenn eine Frau in einen Abgrund stürzt und zerschmettert wird, und er schneidet, bevor das Messer in den Körper eindringt. So ist das Töten, weil “nicht brutal”, erlaubt. Das führt zu kuriosen Sätzen wie dem in der Indizierungsentscheidung der BPjM (Blutrausch): “Die dargestellten Tötungs- und Verletzungshandlungen sind grausam und unmenschlich.” Mir gruselt vor Leuten, die solche Sätze schreiben. Ich dachte, wir hätten uns nach 1945 darauf geeinigt, dass das Töten von Menschen (Bava lässt das auch für die Tiere gelten) prinzipiell grausam ist. Deshalb haben wir die Todesstrafe abgeschafft, statt nach der “humansten” Hinrichtungsmethode zu suchen.

Teil 1: Wie ich einmal versuchte, einen indizierten Film zu kaufen

Teil 2: Einmal gefährdungsgeneigt, immer gefährdungsgeneigt

Teil 3: Amokläufer unter sich

Dieses Hollywood hat immer wieder kuriose Ideen. Ein Kinderbuch, das nun wirklich jeder kennt, in fünffacher Ausführung zuhause herumliegen hat, das aus vielleicht zehn Sätzen (naja, so ungefähr) besteht, zu einem Spielfilm aufzublasen … aber immerhin macht das Spike Jonze und der Song von Arcade Fire ist nun wirklich wunderbar.

Ein kurzer Programm-Hinweis, bevor das Schlimmste passiert und noch mehr Filmperlen ungesehen bleiben. The Good, the Bad and the Ugly ist zum Beispiel schon durch, verloren, ach herrjeh, und so müssen wir Verdammten dieser Erde wieder Jahre warten, um dieses Meisterwerk endlich im Kino zu sehen.
Also: Das Münchner Filmmuseum zeigt derzeit eine Clint Eastwood-Retrospektive. Die Reihe dauert zwar noch bis zum 24. Juni, doch heute Abend gibt es um 21 Uhr The Beguiled (Betrogen) von Don Siegel und als Vorfilm Eastwoods erste nominelle Regiearbeit The Beguiled: The Storyteller zu sehen, ein 12-minütiges Promo Reel über die Dreharbeiten. Morgen um 21 Uhr wird Play Misty for Me (Sadistico) von 1971 gezeigt, der erste Spielfilm in der Regie von Clint Eastwood.

Das Programm zu Clintessenz – Retrospektive Clint Eastwood gibt es beim Filmmuseum zum Downloaden.

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    • slu: Prima Teil, schönen Dank für den Tipp.
    • maxl: danke dir Karl, das muss noch auf Tape für die routes nationales, ab...
    • alpe: “… sueddeutsche.de, Deutschlands beste...
    • 42317: Nach meiner Japanerfahrung stimmt der Kommentar von Herrn Koelling....
    • Ben: Wenn man die Vorbereitung als Maßstab nimmt, dann wird Holland in der...
    • Verstand in Gefahr?!: Die Gruppe E verspricht durchaus spannend zu werden....
    • maxl: wunderschön. und so kurz. danke
    • slu: Ganz ehrlich: eigentlich ein Skandal, dass die Algerier dabei sind und...
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