Und ich kenne das nicht! Warum denn eigentlich nicht? Stermann und Grissemann bringen die deutsche Fußballgeschichte in Ordnung, so voll und ganz, und ich erfahre das aus dem Stermann & Grissemann-ABC auf jetzt.de! Wo samma denn eigentlich?
So wie die Fußball-Bundesliga bisher läuft, gibt es an jedem Wochenende einen Titel zu gewinnen. Zwar kann man sich dafür nichts kaufen und abgerechnet wird, wie allseits bekannt, ja immer erst am Schluss und manch eine Mannschaft wird, wenn sie ehrlich ist, diesen Titel mehr hassen als Pest, Cholera, Syphilis und Rinderwahn zusammen. Doch es gibt auch Mannschaften, – meist sind es welche, denen von Buchmachern und Experten ein trister Überlebenskampf in den hinteren Tabellenregionen prognostiziert wird – die sich diesen Titel immer wieder ganz gerne anheften, täuscht er doch, zumindest kurzfristig, über die eigene, nunja, Opferrolle hinweg, ist er doch wenigstens für ein, zwei Spieltage Balsam auf die Wunden, entstanden durch die spöttischen Gesänge: „Ihr seid nur ein Punktelieferant.“ (Ja, auch Worte können wehtun.) Evolutionstechnisch fühlt sich dieser Titel an, als sei man endlich mal ganz oben in der Entwicklungsstufe, als sei man Spitze der Nahrungspyramide und darf selber fressen anstatt verdaut zu werden. Es geht um den allwöchentlich zu vergebenden Titel „Bayernjäger.“
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Heute geht es um den berühmten Sack Reis in China. Damit hat es eine seltsame Bewandtnis. Er ist berühmt, weil er ständig umfällt. Aber es interessiert trotz seiner Berühmtheit niemanden. Er fällt ja angeblich ständig um. Niemand schert sich darum. Und doch ist diese Darstellung bösartig verkürzt. Ein paar Menschen fluchen und ärgern sich nämlich schon. Mühsam kehren sie den Ertrag harter Arbeit wieder zusammen, füllen die Körner zurück in den Sack und richten ihn wieder auf. Hilft ja nichts, es muss weitergehen.
In der vergangenen Woche ist im Fußball wieder so ein Sack Reis umgefallen, sollte man zumindest meinen. Der Trainer von Real Madrid, Bernd Schuster, hat vor dem Championsleague-Spiel gegen Werder Bremen einen Satz geäußert, der äußerst banal ist und deshalb nicht weiter interessieren sollte. Schuster sagte, der Bremer Spielmacher sei ein sehr interessanter Spieler. Tja, wer wagt da noch zu widersprechen? Natürlich niemand. Man sollte sofort erwidern: Erzähle es deiner Großmutter, das wissen wir schon längst! Und außerdem: Mal eine Frage! Welchen interessanten Spieler findet Real eigentlich nicht interessant? Vor kurzem haben sie Wesley Sneijder verpflichet, sicherlich einen interessanten Spieler. Zum Saisonbeginn hieß es für kurze Zeit, Real sei an Rafael van der Vaart interessiert. Ein ganz interressanter Spieler, dieser Van der Vaart. Real ist an Kaka interessiert, an Ballack, an Gott und der Welt, solange man dort nur jemandem ein Mikrophon unter die Nase hält. Wieso sollte sich da überhaupt irgendjemand noch dafür interessieren?
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Krisen sind heutzutage geradezu inflationär. Wo man hinschaut, ist Krise. Wenn etwas nicht gut läuft, ist Krise. Ein kleiner Streit in einer Beziehung, schon ist sie da, die Krise. Wenn eine Fußball-Mannschaft zweimal nicht gewinnt, dann steckt sie in einer Krise, meist sofort in einer besonders schlimmen. So erging es zum Saisonauftakt beispielsweise Borussia Dortmund. Null Punkte aus zwei Spielen, Tabellenletzter, keine erkennbare Spielanlage und schon standen die Dortmunder für viele Beobachter als sicherer Absteiger fest. Nach zwei Spieltagen. Absolute Krise in Dortmund.
Unter dem Stichwort Krise findet man in einem Lexikon folgende schlaue Erklärung: „(griech.) K. bezeichnet eine über einen gewissen (längeren) Zeitraum anhaltende massive Störung des gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Systems. Krisen bergen auch die Chance zur (aktiv zu suchenden qualitativen) Verbesserung.“ Natürlich kann man jetzt den Fußball nicht mit der Politik gleichsetzen, auch wenn es unter den Staatslenkern durchaus Mode ist so zu tun, als sei alles ein großes Spiel, in dem nur die Mannschaft richtig aufgestellt sein müsste, um zum Wohle eines Landes so genannte Steilvorlagen zu verwandeln Auch ob gleich irgendein politisches, wirtschaftliches oder gesellschaftliches System gestört sein muss, nur weil etwa der VFB Stuttgart gegen Berlin verloren hat, darüber kann man streiten – am ehesten ungestört mit netter Gesellschaft in einer Wirtschaft. Eines sollten jedoch auch die größten Pessimisten und Krisen-Liebhaber nicht tun: zwei Spieltage als längeren Zeitraum bezeichnen. Wer dazu neigt, der möge an die leidvolle Endlosigkeit einer Sommerpause ohne Fußball denken. Was sind im Vergleich dazu schon zwei läppische Spieltage?
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1. FC Schalke 04
2. Hertha BSC
2. Arminia Bielefeld
2. VfL Bochum
2. Werder Bremen
2. Energie Cottbus
2. Borussia Dortmund
2. MSV Duisburg (N)
2. Eintracht Frankfurt
2. Hamburger SV
2. Hannover 96
2. Karlsruher SC (N)
2. Bayer Leverkusen
2. Bayern München
2. 1. FC Nürnberg (P)
2. Hansa Rostock (N)
2. VfL Wolfsburg
18. VfB Stuttgart (M)
