Public Viewing in Zürich
Neulich im Kreis vier.

Die neue Bundesliga-Saison beginnt übernächstes Wochenende, also schleunigst eine kicker-Mannschaft für das Managerspiel basteln, um noch mindestens eine Woche Zeit zu haben für schlaflose Nächte voller Kopfzerbrechen über die beste Aufstellung, die gewünschte Standard-Taktik oder die effektivsten Ergänzungsspieler.
Unsere Liga heißt wie jedes Jahr: Westend United. Zu finden über die Suche bei kicker oder über diesen Liga-Link, vorausgesetzt man hat sich schon einen Account angelegt.

Für alle Fußballmüden und für Freunde des gepflegten One-Touch-Spiels hier eine kleine Einstimmung, auch wenn das Lied recht nervt:


One-Touch direkt auf Youtube, gefunden beim Trainer Baade.

Denk ich mir schon manchmal, vorwiegend sonntags, hätte ich doch bloß nicht aufgehört damals. Könnte ich heute einfach mein Board nehmen, raus auf die Straße gehen und ein wenig Sport machen für mich alleine. Wäre ich nicht angewiesen auf sieben andere Menschen, die es mindestens braucht für ein halbwegs vernünftiges Fußballspiel im Park. Könnte ich mittlerweile vielleicht sogar einen der Tricks, die Chris Haslam hier so derart lässig zeigt, als wäre das alles nicht schwerer als Joggen, eine Beschäftigung, die ich übrigens stinklangweilig finde. Nur falls jetzt einer meint, mir vorschlagen zu müssen: “Geh doch laufen! Ist doch auch schön!”

See more skate, snow, surf, and moto videos at Shred or Die

Tatsächlich sehr lesenswert, wenn auch zutiefst deprimierend, ist das Buch “Sichere Siege” über Fußball, Spielmanipulation und organisiertes Verbrechen des Briten Declan Hill, das in den letzten Wochen ja zu einigem Medienrummel einschließlich obligatorischem Beckmann-Interview geführt hat. Zwar kann Hill nicht beweisen, dass einige Spiele der WM 2006 tatsächlich manipuliert wurden, doch zumindest für die Viertelfinalpartie zwischen Ghana und Brasilien, auf die Hill besonders wert legt, sind die Indizien wirklich so erdrückend, wie man es üblicherweise nur Beweisen nachsagt.

Wirklich erschreckend ist jedoch, dass einem beim Lesen Stück für Stück auffällt, wie sehr man sich mittlerweile an systematischen Betrug im Fußball gewöhnt hat und wie ungern man alle hinreichend bekannten Fälle in der eigenen Bewertung des Sports zusammendenkt: Korruption im britischen Fußball in den 50ern und 60ern, der Bundesliga-Skandal Anfang der 70er, die zweifelhafte WM 1978 in Argentinien, jenes widerliche Spiel bei der WM 1982 zwischen Deutschland und Österreich, das als “Schande von Gijon” in die Geschichte einging, die Bestechungsskandale um Olympique Marseille Ende der 80er Anfang der 90er, die Morde im russischen Fußball in den 90ern, all die Schiebungen in der belgischen, türkischen, portugiesischen Liga, der Zusammenbruch ganzer Ligen in Asien, weil bis zu 80 Prozent aller Spiele verschoben waren, der Zwangsabstieg von Juventus Turin in Italien, die angeblichen Doping-Beweise im Fuentes-Fall, die vermutlich nur zurückgehalten werden, weil Profis von Real Madrid involviert sind, all die Schiedsrichter-Skandale bis hin zu Robert Hoyzer, der dann wie seine kroatischen Freunde ins Gefängnis kam, während so gut wie alle anderen Ermittlungen gegen mindestens 25 Personen im Sande verliefen. Wenn man viele dieser Fälle noch einmal vor Augen geführt bekommt, kann man sich schon kaum noch vorstellen, dass es irgendeinen Wettbewerb gibt, an dem nichts faul ist.

So spannend Hills Geschichten über den Wettmarkt in Asien auch zu lesen sind, seine gefährlichen Treffen in schäbigen Restaurants mit Gangstern, am meisten hat mich dann doch die Tatsache beeindruckt, dass ich einen Großteil der beschriebenen Ereignisse bereits kannte und dennoch nie, nie, nie darüber nachdenken wollte, dass es sich vielleicht gar nicht lohnen könnte, in dem ganzen verkommenen Fußballzirkus nach so etwas Esoterischem wie der “Wahrheit des Spiels” zu suchen.

Ich fürchte, ich werde auch in Zukunft möglichst selten darüber nachdenken.

Als große Pathos-Brüder habe ich die Schweizer bisher nicht wahrgenommen, aber jener Fernsehbeitrag, den das Schweizer Staatsfernsehen aus den ersten öffentlichen Äußerungen von Alexander Frei nach seiner Verletzung fabrizierte, belehrt mich dann tatsächlich eines Besseren. Großes Kino der Emotionen, Zeitlupe, Klaviermusik, eine Nation weint. Man kann es auch übertreiben, behaupte ich jetzt mal so distanziert und kühl.

Ein wenig peinlich ist mir, dass mir Freis Verletzung immerhin so nahe ging, dass ich während der Live-Übertragung des Spiels tatsächlich den Raum verlassen habe und dem Schlusen eine SMS schreiben musste. In manchen Momenten wollen Männer eben alleine sein, hüstel, oder unter anderen Männern, ähm. Wahrscheinlich hätte mein Film in diesem Moment, falls ich einen hätte produzieren müssen, ziemlich ähnlich ausgesehen.

Heute Abend gegen die Türken also ohne Frei. Ein Elend!

(via medienlese.com)

 1 2 3 älter
Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

    • Behnam: Nach einem super Alleingang fcber den ganzen Platz von F.Adam kann...
    • Steve: Hey ich habe mir fcberllegt mal anzfangen zu taeznn da ich schon...
    • Tom Gerlach: Ein kleiner Update zu neuen Arbeiten von Rp Kahl: Die...
    • Max: huuuh, zum Glück nur beim FC Augsburg! War schon erschrocken…
    • karl: Mir macht das Buch bisher auch ziemlich Spaß. Das Lustige an dieser...
    • Max: Yep, hat mich auch mächtig geärgert, dieses ganze Feuilleton-Gerausche...
    • Mein Lieblingswitz! (2) -- zweitens-magazin.de: Dichter, wissen’S....
    • Max: kimmi grad zruck
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.