Das Schöne an den Wissensteilen deutscher Zeitungen ist dieses kurze Aha-Aha-Gefühl nach dem Lesen – am Frühstückstisch, wenn das Panorama mal wieder arg langweilig ist und man sich noch im Halbschlaf befindet. Letztes Wochenende wurden mal wieder Fußball-Mythen zerstört durch alle Macht der Mathematik. Zwei Wissenschaftler haben bei der Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ihre Untersuchungen vorgestellt und wollen Sensationelles entdeckt haben. Ob sie in ihren Studien Fußball-Mythen tatsächlich zerstört haben, weiß ich nicht. Ich kenne die Original-Studien nicht. Aber ich habe mich informiert, aus der Zeitung. Ich habe die Wissensseite der SZ gelesen.

„Zerstörte Bundesliga-Mythen“ heißt es da und ich lese: So etwas wie die viel beschworene Siegesserie einer Mannschaft gebe es gar nicht. Nach vier siegreichen Spielen sei es mitnichten wahrscheinlicher, dass eine Mannschaft auch das fünfte gewinnen würde. Eine Mannschaft würde nach vier siegreichen Spielen im Schnitt sogar schlechter spielen als es ihrer Leistunsgfähigkeit entspreche, heißt es da. Und gleich im Anschluss: „Diese Normalform hat der Physiker als mehrjähriges Mittel über die Platzierung am Saisonende berechnet.“ Ich habe länger über diesen Satz gegrübelt, bis ich mir jetzt beinahe sicher bin, mit „Normalform“ ist tatsächlich die Form einer Mannschaft gemeint und nicht etwa irgendeine mathematische Normalform oder die aus der Spieltheorie. Vielleicht täusche ich mich da aber auch. Egal. Mir scheinen da andere, wirklich relevante Faktoren nicht vorzukommen, etwa die Überlegung: Gegen welche Mannschaften wurde denn überhaupt gewonnen, wenn eine Siegesserie von vier Spielen hingelegt wurde? Gegen Bielefeld, Duisburg, Cottbus und Hinterhugeldapfing? Falls ja, dann würde die Wahrscheinlichkeit, mal wieder auf einen starken Gegner zu treffen, von Spiel zu Spiel größer. Ergo: Die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage wird auch größer. Die Gründe für das Ende einer Siegesserie, die im Artikel angeführt werden, sind dann reine Psychologie: Übermut, Motivation des Gegners und solche Sachen. Es liest sich immer so toll, „mathematisch wurde bewiesen“. Mir leuchtet es zumindest nicht ein, Siegesserien zu untersuchen, ohne die Umstände des Zustandekommens derselben zu berücksichtigen. Ich kann da beim besten Willen keinen Erkenntnisgewinn sehen. Vielleicht haben in vielen Fällen Bayern München oder Werder Bremen diese Serie einfach beendet.

Auch folgender Punkt bleibt mir weitgehend schleierhaft: Auch der Zufall entscheide, wer auf- bzw. absteigt – so die These. Alle nicken, weil es einfach so ist. Im Fußball spielt Glück keine kleine Rolle. Um das zu beweisen, spielten am Computer 18 exakt gleich starke Mannschaften eine Saison komplett durch – sogar mehrmals. Die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen oder zu verlieren, war für jeden Mannschaft exakt gleich groß, lese ich in dem Artikel. Also 50 zu 50, wobei ich nicht entnehmen kann, wie diese Spiele durchgespielt wurden: simuliert durch zwei gleichstarke KI-Programme? Gelost? Eigentlich dürfte das ja im Endeffekt auch keine Rolle spielen: 50 zu 50. (Unentschieden werden im Artikel nicht weiter erwähnt. Also gehe ich davon aus, dass es keine gibt.) Das Ergebnis: Jedes Mal gab es am Ende der Saison Mannschaften die etwa 65 Punkte hatten und Mannschaften, die nur 35 Punkte hatten. Also habe der Zufall seine Hände im Spiel und bestimme, wer auf- und absteigt. Und ich verstehe es wieder nicht! Selbstverständlich entscheidet der Zufall Spiele, wenn ich jedes Spiele zufällig 50 zu 50 entscheide! Von entwaffnender Schlichtheit ist jener Satz: “Rein intuitiv wäre bei dieser Konstellation zu erwarten, dass am Ende der Spielzeit sämtliche Mannschaften die gleiche Punktzahl haben, schließlich sind alle gleich stark.” Nein. Wirklich nicht! Auch nicht rein intuitiv! Ich erwarte zum Beispiel auch nicht rein intuitiv, dass ich bei sechsmaligem Würfeln die Zahlen 1 bis 6 bekomme, nur weil jede Zahl mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftreten müsste. Ist an dem Saisonbeispiel irgendetwas anders? Übersehe ich da etwas? Stehe ich auf dem Schlauch? Hansbap, hilf! Aber ich denke nicht. Aus dem Artikel kann ich nichts anderes entnehmen und wundere mich, dass man so etwas erforscht und hoffe inständig, dass der Autor des Artikels mir vereinfachtes Zeug erzählt.

Und prompt macht auch die Realität einen Strick durch diese Rechnung: “Dass neben dem Zufall auch Können im Spiel ist, zeigen die Tabellen der vergangenen Jahre. In der Bundesliga hatte der Meister am Ende meist mindestens 70 Punkte; der Letzte lag unter 30. Nur so ist angesichts einer Tabellen-Lotterie zu erklären, dass Teams wie Bayern München und Werder Bremen sich über Jahre oder gar Jahrzehnte an der Spitze halten können” Tja. es scheint doch kein Zufall zu sein, dass der FC Bayern deutscher Rekordmeister ist, während der FC Holzkirchen nur in der Bezirksoberliga spielt. Manche Mannschaften würden sich aus dem Sumpf des Zufalls immer wieder herausziehen können, heißt es da. „Teams wie Bayern und Werder müssen also über die letzten Jahre vieles richtig gemacht haben“, wird der Wissenschaftler zitiert.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben sie ihre Spiele nicht ausgewürfelt.

Man muss sowas von froh sein, in welche Stadt man geboren wurde! Kann mir das gar nicht vorstellen, was ich gerade als Gelsenkirchener machen würde. Kann ja zu Hause Champions League und ähnliches gucken. Also gerade kämpft sich Schalke in Porto möglicherweise ins Viertelfinale des Landesmeisterwettbewerbs. Aber so ein schlechtes Spiel habe ich wohl noch nie in meinem Leben gesehen. Auweija, jetzt trifft auch noch so ein Sträflings-Portugiese, fünf Minuten vor Schluss – jetzt gibt’s wahrscheinlich Verlängerung und ich muss mir das noch eine halbe Stunde länger anschauen! Weil Hinspiel war ja 1:0 für Schalke. Ich guck’s halt wegen einziger deutscher Mannschaft, und Spannung, und so. Aber da läuft wirklich kein einziger kompletter Angriff. Immer stolpert irgendwer am Ball vorbei. Die Portugiesen wollen tricksen, die Schalker rennen. Aber gar nichts klappt. Auch der Schiri ist ein Totalausfall… Als UEFA-Cup-Spiel hätt’ ich längst den Stecker raus gezogen… Mann, jetzt hat Schalke sogar noch eine top Chance. Kläglich vergeben.

Aber das alles ist bestimmt die Strafe dafür, dass gestern Milan gegen Arsenal teilweise echt unglaublich war. Da gab’s zwar auch massenweise Ballverluste, aber nur, weil zwanzig sowas von schnelle und technisch erstklassige Spieler auf dem Platz waren, und einfach immer wieder einer noch schneller geschaltet hat, als sein Gegner. (Dieser Quaresma mit seinen Hackenvorlagen geht mir gerade total auf die Nerven) Kaka schien am Anfang Arsenal allein zu zerlegen. Dann aber die Wenger-Boys: Passspiel ohne Punkt und Komma. Wahnsinn.
Aber jetzt zur Verlängerung…

Einem bestimmten Gestus der Männlichkeit, sei’s der eigenen sei’s der anderer, gebührt Mißtrauen. Er drückt Unabhängigkeit, Sicherheit der Befehlsgewalt, die stillschweigende Verschworenheit aller Männer miteinander aus. (T.W. Adorno)

Munich, Bavariapark

stylekicker, pt.2

Mode-Magazine sind out. Niemand braucht sie mehr. Dafür gibt es jetzt Fashion-Blogs wie the sartorialist oder face hunter. Menschen mit Stil fotografieren Menschen mit Stil.
Gerade eben hat sich ein Münchner Blog beim Berlin Streetclash! gegen 23 andere Blogs aus aller Welt durchgesetzt. Das heißt im Endeffekt “Best Dressed City” is… Munich! Dieses wirklich schöne Blog kann man ruhig ab und an besuchen, sich davon inspirieren lassen und wer mag, kann es auch bei den Fashion Blog Awards 2008 gegen eben jene oben genannten Blog-Größen gewinnen lassen. Besagtes Blog heißt styleclicker.net.
Auch das Team von zweitens-magazin will natürlich etwas zum Mode-Ruhm Münchens beitragen und präsentiert deshalb in loser Folge die neue Serie stylekicker. Nicht nur in der Fußgängerzone, im Glockenbach-Viertel oder in den zahlreichen Clubs der Stadt findet man bemerkenswert gut gekleidete Menschen. Auch auf Münchens Bolzplätzen kann man ihn entdecken, den ultimativen Style dieser Stadt.

Munich, Bavariapark

stylekicker pt.1

Seltsame Spiele liefert der FC Bayern zur Zeit ab. Gefällig über weite Strecken und dann fehlt doch immer wieder das letzte Quentchen. Eigentlich darf es doch gar keine Diskussion geben: Eine Mannschaft wie den FC Aberdeen muss man schlagen, auch auswärts, auch ohne Ribery und den ach so dynamischen Van Bommel, der meines Erachtens sowieso überschätzt wird. Mir gefällt das ruhige Spiel von Andreas Ottl eh wesentlich besser als dieses dämliche Getrete und Geschreie eines Van Bommel. Dank Ottl und Ze Roberto gab es für Aberdeen rein gar nichts zu melden im Mittelfeld und nach vorne ging doch auch was. Oder habe ich da ein anderes Spiel gesehen? Bayern ist in der zweiten Hälfte drückend überlegen, Torchancen gibt es zuhauf, bis Ottmar Hitzfeld sein eigenes Mittelfeld demontiert, indem er Podolski für Ze Roberto einwechselt! Ich dachte, ich sehe nicht recht. Verstehe einer diesen Ottmar! Wieso stellt man denn eine drückend überlegene Mannschaft taktisch um und macht das Mittelfeld auf? Das Führungstor war doch nur eine Frage der Zeit. Und prompt schafft es Aberdeen, das Spiel wieder vom eigenen Tor wegzuhalten. Es wirkt in letzter Zeit manchmal so, als wolle der FC Bayern gar nicht unbedingt gewinnen. Das Gefühl hatte ich, seit ich Fussball schaue, wirklich noch nie und das nervt! Es ehrt Hitzfeld ja, dass er sich tapfer vor seine Spieler stellt, aber schuldlos am zweiten Gegentor war Rensing sicher nicht und Schweinsteiger war keinesfalls einer der besten Bayern-Spieler, wie der Trainer nach dem Spiel konstatierte. Dann geht so ein Spiel, das man dominiert, am Ende also 2:2 aus durch einen Elfmeter, der auch nur glücklich im Nachschuss verwandelt wurde. Alle sind zufrieden, piep piep piep, das Heimspiel wird man schon irgendwie gewinnen und alles ist gut. Das ist so langweilig, echt wahr. Wie gesagt, das ist ja alles schön anzuschauen, aber kann man bitte, bitte einmal den Weg auch zu Ende gehen?

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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