Elfenbeinküste, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Mit großer Verpätung hat sich bei der letzten WM eine der wichtigsten Fußballnationen Afrikas vorgestellt und dabei bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwar war man nach zwei Niederlagen schon draußen, hatte aber glänzend mitgespielt und jedes mal knapp und unverdient verloren – und gegen die Fußballgroßmächte Argentinien und Holland darf man als Debütant schon mal ausscheiden. Diesmal soll trotz ähnlich schlimmer Auslosung alles noch besser werden. Dieser Optimismus ist, wenn man die Ivorer so spielen sieht, komplett gerechtfertigt. Die Qualifikation absolvierte man im Schongang. Teilweise wurden die durchaus guten Gegner dabei völlig auseinandergenommen. Der Erfolg hat mehrere Väter: allen voran eine enorme taktische Disziplin und eine fast schon sensationelle Ballsicherheit. Ganz sicher hat man in den letzten Jahren zu den spielerisch eindrucksvollsten Mannschaften auf diesem Planeten aufgeschlossen und beeindruckt mittlerweile auch gegen die erste Liga im Weltfußball. Dabei hat sich allerdings so langsam eine völlig unangebrachte Arroganz ins Spiel eingeschlichen, die man schnellstens abstellen sollte. Noch hat man nämlich trotz einer eindrucksvollen Liste von Weltstars im internationalen Fußballgeschäft gar nichts gerissen. Sehen wir da eine Art Holland-Syndrom am Horizont? Hoffentlich nicht, wäre wirklich zu schade! Die Elfenbeinküste ist seit dem Senegal 2002 das Beste, was Afrika zur WM schickt, und kann vielleicht sogar den Traum vom ersten Halbfinalteilnehmer erfüllen.
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Brasilien, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Da wären wir nun also beim großen Favoriten gelandet. Es ist der langweiligste Favorit, den der internationale Fußball anzubieten hat: Brasilien. Seitdem Carlos Dunga die nach der letzten Weltmeisterschaft doch arg frustrierten Gelbhemden übernommen hat, läuft es zunehmend wie am Schnürchen. Die Copa America hat man gewonnen, den Confederationscup hat man gewonnen, und dabei hat Dunga die Mannschaft kontinuierlich verbessert. Eigentlich war alles klug, was der als Trainer ja völlig unbeleckte Ex-Stuttgarter so an Entscheidungen fällte. Er probierte deutlich mehr Spieler aus der zweiten und dritten Reihe der europäischen Clubs aus als seine Vorgänger (die das zum Teil sträflich vernachlässigten). Er hatte keine Angst davor, große Namen rauszuschmeißen, wenn sie nicht ordentlich bei der Sache waren oder nicht in Dungas taktischen Konzepten aufgingen. Vor allem aber hat er taktisch viel experimentiert, und so können diese Brasilianer mal mehr als 4-4-2 alter Schule – zur Not kann man das aber auch immer noch sehr gut spielen. War ja auch schon oft genug erfolgreich. Da die letzten Jugendjahrgänge nicht so überragend waren wie in den Jahren zuvor, sehen wir eine ziemlich erfahrene Mannschaft – ein Großteil davon im vielzitierten “besten Fußballalter” zwischen 25 und 29. Auch wichtig: Es scheint derzeit kaum Querelen im brasilianischen Lager zu geben, keine großen Egozentriker und Grüppchenbilder. Die Mannschaft spielt so umsichtig und besonnen wie ihr Trainer zu seinen Glanzzeiten. In so einer Form ist Brasilien erfahrungsgemäß kurz vor unschlagbar, wenn die Weltmeisterschaft nicht in Europa stattfindet. Dies ist ein guter Moment, um mal von Fakten und Bilanzen zu sprechen. Noch nie hat eine europäische Mannschaft außerhalb von Europa einen WM-Titel holen können. Von den vier Weltmeisterschaften auf “neutralem Terrain” (zweimal in Mexiko, einmal in den USA und einmal in Japan/Südkorea) holte Brasilien drei Titel, Argentinien einen. Mit Blick auf diese Fakten gucken wir uns den derzeitigen Kader der Brasilianer an und sagen demütig: “Kommt herunter auf die Erde, ihr Götter in gelb und blau, und gewinnt gegen uns im Fußballspiel! Danke, es war uns eine Ehre!” Und alle blöden Leute ohne Ahnung von Fußball dürfen sich beim solidarischen Sambatanz mit den Horden in Gelb wieder zu den Deppen der Public Viewing-Feierlichkeiten machen, was ja auch irgendwo ein liebgewordenes Bild geworden ist.
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Nordkorea, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Nicht nur der Tourismusminister Südafrikas wird wahrscheinlich “Scheiße” gedacht haben, nachdem sich Nordkorea doch ziemlich überraschend für die WM qualifizieren konnte. Verdient war es allerdings allemal: Nordkoreas komplett unansehlicher Steinzeitkommunistensystemfußball war für die meisten Gegner in Asien unüberwindbar. Fanatiker der Fußballtertiärtugenden Disziplin und Ordnung werden an Nordkoreas Kurzpass-Klein-Klein ihre helle Freude haben. Zu kreatives Spiel wird mit Auswechslung oder Arbeitslager bestraft. Zusätzlich schieben die grau gekleideten Funktionäre ihre Mundwinkel noch um zwei Zentimeter weiter nach unten. Wie man gegen internationale Athletik und Spielfreude bestehen will, weiß wohl nur der himmlische Führer, und der scheint es bisher auch nicht weitergesagt zu haben. 1966 war man neben Portugal die große Schau, diesmal wird man ordentlich eine vor den Latz bekommen.


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Portugal, Gruppe G

von Ben Strack-Zimmermann

Portugal war schlimmste Fußballdiaspora, bis ein junger Mann aus Mozambique namens Eusebio die Mannschaft 1966 zu Ruhm und Ehren führte. Danach war man für lange Zeit wenigstens im Vereinsfußball eine Nummer, konnte allerdings bis auf ein kleines Ausrufezeichen bei der EM 84 auf internationaler Ebene nie wieder überzeugen, bis die berühmte “Golden Generation” um Figo, Rui Costa, Paulo Sousa und Co für Furore sorgte. Einen Titel gewann diese güldene Generation nicht, führte Portugal aber nichtsdestotrotz in die höchsten Sphären des Weltfußballs. Und nun? Spielerisch ging es seit dem Abtritt der großen Spieler schon deutlich bergab, dafür hat man derzeit treffsichere Stürmer, woran es bei den goldenen Schönspielern immer mangelte. Die Qualifikation war eine einzige Zitterpartie, man hat sich eindeutig noch nicht gefunden, und auch das in den 80ern und 90ern so vorbildliche Jugendausbildungssystem speit nicht mehr im selben Tempo ein Supertalent nach dem anderen aus, so dass man zunehmend rustikale Handwerker ins System einbauen muss. Es könnte gut sein, dass man dank Cristiano Ronaldo und Liedson unterm Strich gar nicht so viel ungefährlicher ist als noch vor ein paar Jahren. Die einstige spielerische Überlegenheit ist allerdings ziemlich den Bach runter gegangen. Interessanterweise ist Portugal in den letzten Jahren zu einer der unbeliebtesten Mannschaften auf dem Planeten geworden. Nicht ganz nachvollziehbar eigentlich. So viel schrecklicher als Fernando Torres, David Beckham oder Michael Ballack ist der viel gehasste Cristiano Ronaldo ja nun wirklich nicht. Wobei: Er lässt sich schon ganz gut unter diese Pfeifen einreihen … also vielleicht doch hassen? Man weiß es noch nicht genau, würde sich aber schon mal wünschen, dass die Portugiesen etwas landestypischer Fußball spielen würden. Soll heißen, mehr so wie alte, traurige Frauen, die in schwarz gekleidet, wehklagend in engen, nach Fisch riechenden Gassen schwermütig tanzen und singen. Dann klappt es auch mit der Sympathie.
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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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