Spanien, Gruppe H

von Ben Strack-Zimmermann

Was hat man nicht immer schön lachen können über die Spanier: Hoch gelobt aus Liga und Europapokal reisten die Iberer zur Europa- oder Weltmeisterschaft, spielten dort gerne ein paar Begegnungen lang beeindruckenden Fußball, um dann verlässlich an irgendeiner schlechter eingeschätzten Mannschaft zu scheitern. Diese schöne Tradition fand vor zwei Jahren sein Ende, als 20 Jahre exzellente Jugendarbeit in einem triumphalen EM-Titel gipfelten – So überzeugend hatte in Europa kein Team mehr den Titel errungen seit den legendären Siegen von Frankreich und Holland in den 80er Jahren. Zwei Jahre später wollen diese Spanier ihre Leistung krönen und haben den WM-Titel fest im Visier. Nicht ganz zu unrecht, gibt es doch spielerisch kaum ein Team, das mit den Spaniern auch nur ansatzweise mithalten kann. Genau so sieht derzeit moderner Fußball aus. Alle Positionen sind exzellent besetzt, alle Rädchen greifen ineinander, und so rollt die spanische Maschine seit einiger Zeit unaufhaltsam durch die Lande. Seit dem EM-Finale hatte man 23 Spiele. Bis auf die Partie gegen die USA im Halbfinale des Confederation-Spaßcups wurden alle Begegnungen gewonnen: eine ziemlich eindrucksvolle Bilanz, da man sich auch nicht um große Gegner herumgedrückt hat. Die Mannschaft ist hervorragend eingespielt. Fast alle Spieler haben das (kaum zu schlagende) spanische Jugendmodell durchlaufen. Wenn man einen neuen Spieler integrieren muss, so schafft man das mit einer Anlaufzeit von ungefähr 3 Sekunden. Geändert hat sich eigentlich im Vergleich zu vor zwei Jahren nur der Mann an der Seitenlinie: Statt Luis Aragones steht da jetzt Vicente del Bosque. Der soll nun also die völlig indiskutable Bilanz der Spanier bei Weltmeisterschaften aufbessern. Zur Erinnerung: Die Spanier wurden 1950 Vierter und erreichten daneben nur noch viermal das Viertelfinale. Das ist ungefähr so gut wie die Bilanz von Österreich. Trotzdem ist klar: Spanien spielt derzeit den reifsten und schönsten Fußball der Welt. Wenn es Brasilien nicht gäbe, wäre man der absolute Topfavorit. So ist man der aussichtsreichste Herausforderer.
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Chile, Gruppe H

von Ben Strack-Zimmermann

Das magersüchtigste Land der Welt hat sich nach zwei Weltmeisterschaften Pause mal wieder qualifiziert – und das wirklich überzeugend! Während der Qualifikation zur letzten WM hat man eingesehen, dass es die alten Recken nicht mehr bringen und zunehmend auf junge Spieler gesetzt, wofür man nun den gerechten Lohn ernten konnte. Man nahm in den letzten drei Jahren immer mehr Fahrt auf und qualifizierte sich früh und stilvoll, noch dazu mit wunderbarem Offensivfußball. In den Fußballzeitschriften werden sie seitdem noch ziemlich schmählich ignoriert, für den Schreiber dieser Zeilen sind sie neben der Elfenbeinküste der mit Abstand interessanteste Außenseiter. Coach Bielsa hat durch die gelungene Qualifikation schnell Monumentalstatus erreicht, was er auch verdient hat. Kaum eine andere Mannschaft wagt es derzeit, so risikoreich zu spielen. Natürlich läuft man so auch gerne mal ins offene Messer, aber insgesamt ist es schon beeindruckend, was die Chilenen da mittlerweile so auf dem grünen Rasen zelebrieren. Legendär auch das Auftreten von Bielsa in Pressekonferenzen, die die einzige Möglichkeit sind, ihn zu befragen, da er normalerweise keine Exklusivinterviews gibt. Kommt es dann zu taktischen Fragen, doziert er gerne auch mal drei bis vier Stunden lang. Kein Wunder, kommt er doch aus einer Politikerfamilie, wo anscheinend gerne mal geredet wird. Wir haben da also eine junge, ungestüme Mannschaft, auf die man sich einfach nur freuen kann. Entweder wird sie die Konkurrenz ganz schön aufmischen oder mit fliegenden Fahnen untergehen.
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Honduras, Gruppe H

von Ben Strack-Zimmermann

Seit meinem ersten WM-Fußballerlebnis warte ich auf die Wiederkunft einer Mannschaft, die damals mein junges Fußballherz erobern konnte. Neben den Tschechen, mit denen man ja wirklich schon genug Leid durchmachen muss, ist Honduras seither mein persönliches Nationalmannschaftssteckenpferd. Seit der damals wirklich tollen WM, bei der man von vorne bis hinten beschissen wurde, haben mich die Qualifikationsbemühungen dieses fremden Stückes Mittelamerika immer nahe am Herzinfarkt gehalten. Man spielt immer gut, normalerweise gnadenlos offensiv (auch gegen viel bessere Mannschaften), aber geklappt hat es nie mehr – bis dann endlich im letzten Herbst. Was kann man nun erwarten? Wohl noch couragiertere Auftritte, als die von Costa Rica beim letzten Mal, eine sehr gut eingespielte Mannschaft, viele Spieler, die in Europa kaum jemand kennt, die in Mittelamerika aber durchaus einen guten Klang haben, und wohl insgesamt einen krassen Außenseiter, der so tut als wäre er keiner. 2001 hat man mal bei der Copa America in Kolumbien als Last-Minute-Ersatz für Argentinien mitgespielt und dann dort mit gnadenlos offensivem Spiel Uruguay, Bolivien und Brasilien vernascht, um am Ende Rang 3 zu erreichen. Ganz so ein toller Husarenritt wird es wohl diesmal nicht werden. Doch die Schreiberlinge, die Honduras jetzt schon in einen Topf mit Nordkorea und Neuseeland werfen, werden sich noch umsehen!


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Schweiz, Gruppe H

von Ben Strack-Zimmermann

Die Renaissance des Eidgenossenfußballs geht in die nächste Runde. Nachdem man in Sachen Jugendarbeit mittlerweile absolute Weltklasse ist, wird sie wohl noch eine ganze Zeit lang anhalten. Auf dem Spielfeld präsentiert man sich weder als in Zeitlupe jodelnde Gemeinschaft von nasebohrenden Fonduerührern, noch als unterirdisch agierende Bande von Gold hortenden Gnom-Megalomanen, sondern als erfrischend modern aufspielende Multi-Kulti-Einheit. Ach wäre das echte Leben doch etwas mehr als der Fußball, will man da seufzen, solange man nicht zu sehr darüber nachsinniert, wie der Wurstpräse von der Säbener wohl so als deutscher Kanzler wäre. Schieben wir diese Phantasien also beiseite! Bewundern wir stattdessen Ottmar Hitzfeld dafür, das er die Schweizer Nati nach der deprimierenden Heim-EM so schnell wieder aufgerichtet hat! Dabei war der Start in die Qualifikation genauso fürchterlich, wie dann das Ende glorreich und souverän war. Die Schweizer präsentieren sich 2010 als lauffreudige, gut eingespielte Einheit, mit einigen echten Zuckerln im Team. Lediglich im Sturm gibt es gelegentlich Probleme. Vielleicht tritt man insgesamt ein wenig zu bieder auf. Eigentlich sollte man mit dem Spielermaterial noch etwas stärker aufspielen können. Ein echter Spinner könnte dem Team gut tun, aber so etwas wird anscheinend derzeit nicht produziert.
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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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