Manches war einem schon vorher klar – sobald man erst einmal davon gehört hat. Man hat vorher halt nie daran gedacht. So ging es mir mit der Tatsache, dass die Amerikaner irgendwo in ihrem großen Land ein Klein-Irak nachgebaut haben, um dort ihre Truppen zu schulen für den Kriegseinsatz. Eigentlich logisch.
Der Dokumentarfilm Full Battle Rattle von Tony Gerber und Jesse Moss, der in der Panorama-Sektion der Berlinale läuft, zeigt Leben und Arbeit in besagtem Pseudo-Irak mitten in der kalifornischen Mojave-Wüste. Hunderte Menschen leben dort in einem bombastischen, nicht endenen Live-Rollenspiel, das selbstverständlich nicht so, sondern Simulation genannt wird. Jede Armee-Einheit, die in den Irak verlegt werden soll, erhält dort erst einmal eine dreiwöchige Schulung. Von außen betrachtet wirkt das Ganze reichlich bizarr: Mit heiligem Ernst wird da zum Beispiel so getan, als ob der Sohn des Bürgermeisters von Terroristen hingerichtet worden wäre und die Amis jetzt helfen müssten. Also hinein ins Dorf, Verhöre, Kontrollen, Gespräche. Reporter laufen herum und produzieren eigene Zeitungen und Fernsehsendungen und kommentieren die Lage und das Vorgehen der Militärs. Für die Soldaten ist diese Simulation und nach wenigen Tagen auch die Identifikation damit total. Vor Gefechtsbeginn (man arbeitet mit Laser-Pointern) herrscht eine triste, angespannte Atmosphäre. Um gefallene Kameraden wird dann auch tatsächlich geweint, wohl mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es das gewesen wäre, hätte der gleiche Vorfall vier Wochen später stattgefunden.
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