Der neue Akte X-Film Jenseits der Wahrheit ist so jenseitig lausig, dass sich kaum ein Wort darüber lohnt. Eine Story, die tatsächlich nur dadurch in Gang gehalten wird, dass ein pädophiler Ex-Priester alle 10 Minuten die Vision eines Ortes hat, an den dann hingefahren werden muss. Was der Ex-Priester nicht weiß, das weiß zur Not immer noch Google, etwa wie man eine Stammzellen-Therapie durchführt. Wenn geredet wird, dann fallen Phrasen so voller Peinlichkeit, dass man im Sessel unruhig auf- und abrutscht. Die paar Parallelmontagen, die das Ganze spannend machen sollen, sind dann auch noch so bieder und vorhersehbar, dass man alles in allem getrost sagen kann: In diesem Film kann kaum jemand irgendetwas. Zu allem Überfluss vergessen Filmemacher, Drehbuch-Autoren sowie Kollege Fox Mulder auch noch den Unterschied zwischen Schauspieler und Rolle. Will Mulder doch tatsächlich in brenzliger Situation laut Handy-Display anstatt Dana Scully eine Gillian anrufen. Hoffentlich, hoffentlich ist das tatsächlich ein Fehler. Das würde ich sogar noch verzeihen. Falls es als Witz, Gag oder sonst etwas gedacht ist, dann können diese Filmemacher nämlich wirklich nix. Aber auch gar nix.

Mein Gott, diese Jugend! Schlimmer geht’s nimmer und dümmer auch nur mit einer gehörigen Portion Anstrengung. Der Gras-König im Viertel, Johnny Truelove, muss Schulden eintreiben von einem seiner Dealer-Gehilfen. Weil dieser aber nicht spurt und die 1200 Dollar nicht zahlen will, entführen Johnnys Kumpel den kleinen Bruder des Schuldners. Irgendwann merken sie: Entführung ist ein Verbrechen, das auch bestraft werden kann, also erschießt man den Entführten lieber anstatt ihn freizulassen. Und das, obwohl der Entführte es unglaublich lässig findet, entführt zu sein, stundenlang Konsole spielen und endlich all die Drogen nehmen zu können, die zuhause bei seinen Eltern verboten waren. Doch das hilft ihm auch nichts mehr. Irgendeine seltsame Drogenlogik und, hüstel, die Dynamik der Ereignisse fordern seinen Tod.

Eine unglaubliche Geschichte, aber weil True Crime darunter steht, musste sie ja irgend jemand verfilmen, um der Welt absolute Verkommenheit zu diagnostizieren. Der Regisseur Nick Cassavettes hat das mit Alpha Dog übernommen. Der Fall gegen den echten Johnny Truelove wird demnächst verhandelt und es gab gehörig Streit, ob dieser Film durch vorschnelle Schuldzuweisung nicht Einfluss auf das laufende Verfahren nehmen würde. Nun ja, Johnny ist im Film der Bösewicht, doch Schuld haben natürlich – alle und jeder: Drogen, Vorstädte, Langeweile, Hiphop, Metal, Gangsterposen, Konsolen, Eltern, Medien, Pornos, ach überhaupt: die verkommene, verlogene Gesellschaft an und für sich. Cassavettes hat das alles, wie er sagt, sauber recherchiert, weil seine Kinder in besagtem Alter sind. Leider hat er sich auch noch einen ganz originellen Trick überlegt, der den Film erst so richtig ärgerlich macht: Es soll alles so aussehen, wie es in all den verwerflichen Medien immer aussieht. Also will das Ganze teils Hiphop-Video, teils pseudo-zufälliges Reality-TV sein, mit gestylten Homies und anschmiegsamen Bitches, die sich in anbiederndster Jugendsprache immer wieder selbst bestätigen, wie toll und krass sie sind. Dazu wird auch noch die Handlung verhackstückt, weil philosophisch gesehen: adäquater Ausdruck dieser modernen, undurchschaubaren Wirklichkeit. Und schließlich hampelt noch ein Justin Timberlake so lächerlich durchs Bild, dass es jetzt heißen wird, er sei ein wirklich guter Schauspieler. Fürwahr: ein Ausdruck dieser verkommenen Welt. Dafür braucht es auf jeden Fall einen Film.

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