Dazu erst ein Zitat, das Fazit eines bereits 2005 erschienenen Textes, danach die 10000-Dollar-Frage.

Trotz des großen Erfolgs der Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg ist insgesamt festzustellen, dass diese die Entwicklung politisch mündiger Bürgerinnen und Bürger kaum fördern, wenn nicht sogar behindern.

Die Frage: Wie sieht wohl die politische Position aus, die in beiden Hörspielen laut Autor vermittelt wird und kaum die Entwicklung politisch mündiger Bürger fördern kann?

Eine Zusatzfrage für Profis: In welcher Publikation ist der Text, aus dem das Zitat stammt, erschienen?

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Von der Weltwirtschaft, dem internationalen Kreditwesen, Börsenspekulationen und all dem Zeug verstehe ich ja leider nicht allzu viel, weshalb ich jedoch manches Mal gierig aufsauge, was man mir darüber mitteilt. Wenn dann noch der Begriff “Ethik” dazu kommt, dann merke ich, dass ich noch viel, viel lernen muss. Nikolaus Piper etwa schrieb am Dienstag in der SZ in seinem Artikel “Notenbank als Nothelfer” einen Absatz und seitdem grüble ich:

Das Scheitern gehört zum Kapitalismus ebenso sehr wie der Erfolg. Exorbitante Gewinne sind ethisch nur dann gerechtfertigt, wenn derjenige, der auf eine Vervielfachung seines Einsatzes an der Börse spekuliert, dabei auch den Komplettverlust seines Vermögens riskiert. Disziplin in Finanzdingen und Vertragstreue sind nur dann zugesichert, wenn Investoren nicht damit rechnen können, dass Vater Staat ihnen notfalls mit dem Geld der Steuerzahler zu Hilfe kommt.

Natürlich weiß man sofort, was gemeint ist: Wenn einer Scheiße baut, sollen die anderen das nicht ausbaden müssen. Wie wahr! Liest sich gut! Aber eine lustige Logik liegt diesem Satz dann doch zugrunde: Exorbitante Gewinne (man hat also schon gewonnen, davon wird einfach mal so implizit ausgegangen) sind ethisch gerechtfertigt, wenn man ja auch alles hätte verlieren können. Wenn der Fall allerdings andersherum eintritt, müsste diese Ethik – zumindest nach meinem Verständnis – immer noch gelten: Der Gesamtverlust des Vermögens ist ethisch gerechtfertigt, weil man exorbitante Gewinne hätte einstreichen können. Das steht in dem Text natürlich nicht in diese Richtung gedreht, obwohl es eben nicht um exorbitante Gewinne geht, sondern um den Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns, also um einen Totalverlust eines Vermögens. Der Haken nur: Bear Stearns darf anscheinend keinen Totalverlust des Vermögens erleiden, weil sonst – sorry – jene gebaute Scheiße gewaltig am Dampfen wäre.

Ethik und Wirtschaft – da wird dann im Zweifelsfall immer so getan, als ob es um zwei Schulkinder ginge, die um ihr 1-Euro-Pausengeld gewettet haben. Komplett-Verlust des Vermögens, selber schuld – und die Lehrerin sollte keinesfalls Geld in der Klasse einsammeln, wenn der Verlierer weint. Aus Disziplingründen.

War es gerechtfertigt, jener Bank mit einem 30-Milliarden-Dollar-Kredit unter die Arme zu greifen, wie das die amerikanische Notenbank getan hat? Das wird eigentlich in diesem Artikel diskutiert. Die Antwort des Autors lautet: Ja, “wegen der zentralen Rolle der Investmentbank im Finanzsystem”. Andernfalls hätte die Gefahr einer globalen Wirtschaftskrise bestanden. Irgendwoher mussten also riesige Mengen Geld kommen, um eine Katastrophe zu verhindern. Keine andere Möglichkeit.

Natürlich ist Nikolaus Piper nicht der Meinung, dass da die Leute von Bear Stearns ethisch, verantwortlich und kompetent gearbeitet hätten. Eben genau nicht. Aber um sich überhaupt darüber aufregen zu können, muss er doch unterstellen, man habe bei Bear Stearns gewusst, dass im Falle eines Scheiterns andere dafür einspringen. Jedoch kämen ja auch die Eigentümer nicht straflos davon. Ihr Vermögen sei auf einen Bruchteil geschrumpft. Das sie das gewollt haben, kann man beim besten Willen wohl nicht unterstellen Sie haben sich also schlicht und einfach verspekuliert, in dem sie den Totalverlust des Bankvermögens riskiert haben.

Ich frage mich nur, wie es jemals ethisch gerechtfertigt sein könnte, wenn so eine Bank einen totalen Niedergang riskiert, auch wenn die Gewinne noch so exorbitant sein könnten. Ein Zusammenbruch darf im globalen Wirtschaftsgefüge ja anscheinend nicht passieren. Irgendjemand muss immer dafür zahlen, um irgendwelche Katastrophen zu verhindern. Das passiert im Normalfall im Nachhinein, wenn das Risiko zur Realität wurde. Und trotzdem werden von den Wirtschaftsjournalisten immer wieder diese stereotypen Sätze der Sorte wie “Der Markt regelt sich selbst”, “Das Scheitern gehört zum Kapitalismus ebenso sehr wie der Erfolg”, “Exorbitante Gewinne sind gerechtfertigt, wenn der Totalverlust riskiert wird”, usw … herausgekramt, um die beweisen, wie wichtig eine besonders liberale Wirtschaftspolitik sei, obwohl man einen ganzen Artikel darüber schreibt, was für ein Quatsch das oft in der Realität ist und mit jener meist gar nichts zu tun hat. Aber ich lerne ja noch.

Das Schöne an den Wissensteilen deutscher Zeitungen ist dieses kurze Aha-Aha-Gefühl nach dem Lesen – am Frühstückstisch, wenn das Panorama mal wieder arg langweilig ist und man sich noch im Halbschlaf befindet. Letztes Wochenende wurden mal wieder Fußball-Mythen zerstört durch alle Macht der Mathematik. Zwei Wissenschaftler haben bei der Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ihre Untersuchungen vorgestellt und wollen Sensationelles entdeckt haben. Ob sie in ihren Studien Fußball-Mythen tatsächlich zerstört haben, weiß ich nicht. Ich kenne die Original-Studien nicht. Aber ich habe mich informiert, aus der Zeitung. Ich habe die Wissensseite der SZ gelesen.

„Zerstörte Bundesliga-Mythen“ heißt es da und ich lese: So etwas wie die viel beschworene Siegesserie einer Mannschaft gebe es gar nicht. Nach vier siegreichen Spielen sei es mitnichten wahrscheinlicher, dass eine Mannschaft auch das fünfte gewinnen würde. Eine Mannschaft würde nach vier siegreichen Spielen im Schnitt sogar schlechter spielen als es ihrer Leistunsgfähigkeit entspreche, heißt es da. Und gleich im Anschluss: „Diese Normalform hat der Physiker als mehrjähriges Mittel über die Platzierung am Saisonende berechnet.“ Ich habe länger über diesen Satz gegrübelt, bis ich mir jetzt beinahe sicher bin, mit „Normalform“ ist tatsächlich die Form einer Mannschaft gemeint und nicht etwa irgendeine mathematische Normalform oder die aus der Spieltheorie. Vielleicht täusche ich mich da aber auch. Egal. Mir scheinen da andere, wirklich relevante Faktoren nicht vorzukommen, etwa die Überlegung: Gegen welche Mannschaften wurde denn überhaupt gewonnen, wenn eine Siegesserie von vier Spielen hingelegt wurde? Gegen Bielefeld, Duisburg, Cottbus und Hinterhugeldapfing? Falls ja, dann würde die Wahrscheinlichkeit, mal wieder auf einen starken Gegner zu treffen, von Spiel zu Spiel größer. Ergo: Die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage wird auch größer. Die Gründe für das Ende einer Siegesserie, die im Artikel angeführt werden, sind dann reine Psychologie: Übermut, Motivation des Gegners und solche Sachen. Es liest sich immer so toll, „mathematisch wurde bewiesen“. Mir leuchtet es zumindest nicht ein, Siegesserien zu untersuchen, ohne die Umstände des Zustandekommens derselben zu berücksichtigen. Ich kann da beim besten Willen keinen Erkenntnisgewinn sehen. Vielleicht haben in vielen Fällen Bayern München oder Werder Bremen diese Serie einfach beendet.

Auch folgender Punkt bleibt mir weitgehend schleierhaft: Auch der Zufall entscheide, wer auf- bzw. absteigt – so die These. Alle nicken, weil es einfach so ist. Im Fußball spielt Glück keine kleine Rolle. Um das zu beweisen, spielten am Computer 18 exakt gleich starke Mannschaften eine Saison komplett durch – sogar mehrmals. Die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen oder zu verlieren, war für jeden Mannschaft exakt gleich groß, lese ich in dem Artikel. Also 50 zu 50, wobei ich nicht entnehmen kann, wie diese Spiele durchgespielt wurden: simuliert durch zwei gleichstarke KI-Programme? Gelost? Eigentlich dürfte das ja im Endeffekt auch keine Rolle spielen: 50 zu 50. (Unentschieden werden im Artikel nicht weiter erwähnt. Also gehe ich davon aus, dass es keine gibt.) Das Ergebnis: Jedes Mal gab es am Ende der Saison Mannschaften die etwa 65 Punkte hatten und Mannschaften, die nur 35 Punkte hatten. Also habe der Zufall seine Hände im Spiel und bestimme, wer auf- und absteigt. Und ich verstehe es wieder nicht! Selbstverständlich entscheidet der Zufall Spiele, wenn ich jedes Spiele zufällig 50 zu 50 entscheide! Von entwaffnender Schlichtheit ist jener Satz: “Rein intuitiv wäre bei dieser Konstellation zu erwarten, dass am Ende der Spielzeit sämtliche Mannschaften die gleiche Punktzahl haben, schließlich sind alle gleich stark.” Nein. Wirklich nicht! Auch nicht rein intuitiv! Ich erwarte zum Beispiel auch nicht rein intuitiv, dass ich bei sechsmaligem Würfeln die Zahlen 1 bis 6 bekomme, nur weil jede Zahl mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftreten müsste. Ist an dem Saisonbeispiel irgendetwas anders? Übersehe ich da etwas? Stehe ich auf dem Schlauch? Hansbap, hilf! Aber ich denke nicht. Aus dem Artikel kann ich nichts anderes entnehmen und wundere mich, dass man so etwas erforscht und hoffe inständig, dass der Autor des Artikels mir vereinfachtes Zeug erzählt.

Und prompt macht auch die Realität einen Strick durch diese Rechnung: “Dass neben dem Zufall auch Können im Spiel ist, zeigen die Tabellen der vergangenen Jahre. In der Bundesliga hatte der Meister am Ende meist mindestens 70 Punkte; der Letzte lag unter 30. Nur so ist angesichts einer Tabellen-Lotterie zu erklären, dass Teams wie Bayern München und Werder Bremen sich über Jahre oder gar Jahrzehnte an der Spitze halten können” Tja. es scheint doch kein Zufall zu sein, dass der FC Bayern deutscher Rekordmeister ist, während der FC Holzkirchen nur in der Bezirksoberliga spielt. Manche Mannschaften würden sich aus dem Sumpf des Zufalls immer wieder herausziehen können, heißt es da. „Teams wie Bayern und Werder müssen also über die letzten Jahre vieles richtig gemacht haben“, wird der Wissenschaftler zitiert.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben sie ihre Spiele nicht ausgewürfelt.

Über Jonathan Littells Roman “Die Wohlgesinnten” weiß ich beinahe alles, was man wissen muss. So weiß ich, dass es ein perverses Buch ist, geschrieben von einem Idioten, der zwar recherchiert hat, aber nicht schreiben kann, der den großen Tabubruch unternommen hat, ein Buch über den Holocaust aus der Täterperspektive zu schreiben, aber letzten Endes darin absolut gescheitert ist. Er hat nur Pornografie zustande gebracht, wo Reflexion angebracht gewesen wäre. Und überhaupt hat hat er wahrscheinlich, neben aller moralischen Verwerflichkeit, das schlechteste Buch der letzten tausend Jahre geschrieben, dieser perverse Kitschbruder, der einer noch perverseren Rassenideologie anhängen muss. Ich weiß das, weil ich bis zum Veröffentlichungstag des Buches am vergangenen Samstag eine Menge Rezensionen gelesen oder Berichte dazu im Fernsehen gesehen habe. Das Buch selbst kenne ich nicht. Wie auch?

Ich weiß aus diesen Rezensionen auch, dass man dieses Buch keinesfalls lesen darf. Es könnte beschädigen. Ich weiß das zum Beispiel von Iris Radisch aus der ZEIT. Auf eine Frage habe sie – “Pardon, chers amis français” – keine Antwort gefunden: “”Warum sollen wir dieses Buch eines schlecht schreibenden, von sexuellen Perversionen gebeutelten, einer elitären Rasseideologie und einem antiken Schicksalsglauben ergebenen gebildeten Idioten um Himmels willen dennoch lesen?” In Frankreich wurde das Buch als Riesenwurf gefeiert. Weiterhin weiß ich mittlerweile auch, dass man sich schämen müsste, das Buch jetzt, wo es möglich wäre, zu kaufen und zu lesen. Schließlich wird mir seit Wochen von einigen Zeitungen gleich mehrfach in jeweils seitenlangen Artikeln einhellig eingeprügelt, meine Finger von dem Buch zu lassen. Falls man dann an dem Buch bei allem Überfluss auch noch irgendeinen Aspekt wirklich diskussionswürdig fände und wenigstens einen Hauch Restmoral im Leib hätte, dann müsste man sich vorsichtshalber einweisen lassen. Natürlich übertreibe ich, doch wann hat man das letzte Mal eine so einhellige, mit moralischem Furor vorgetragene Abneigung gegen ein Buch mitbekommen? Was vor allem deshalb komisch ist, weil man nach dem ersten Totalverriss jeden weiteren beinahe mitsprechen konnte. Bizarr wirkt das dann in den kurzen Fernsehberichten, die in den News-Magazinen ja nicht fehlen dürfen. Nach dem Motto: neues Buch über NS-Zeit -> von ahnungslosem Deppen Anfang 30 –> pervers, außerdem KEIN Deutscher! –> Wer das liest, ist blöd. Fertig ist die Buchbesprechung, moralisch stromlinienförmig, mehr geht halt nicht im Fernsehen.

Ich will keine Lanze für dieses Buch brechen. Keinesfalls. Ich kenne es nicht und schon die Idee dazu erscheint mir fragwürdig. Und selbstverständlich soll und darf jeder Kritiker seine Meinung so deutlich sagen, wie es ihm nötig erscheint. In diesem Fall finde ich es nur komisch, dass das schon Wochen vor Erscheinen des Buches angefangen hat. “Wir haben den ersten Artikel und bevor ihr den ersten habt, haben wir schon den zweiten, der das Buch noch schlimmer findet. Und zur Not machen wir auch noch einen dritten dazu und außerdem haben wir auch noch einen Romancier am Start, der das Buch auch schon kennt.” Seltsame Zweischneidigkeit: Das Buch ekelhaft sensationsheischend finden, aber dann schon Wochen vorher eine Sensation daraus machen, die Schraube weiter drehen, bis überall nur noch Gift und Galle gespuckt wird und jeder, der wollte, schon schlimmste Grausamkeiten in Zitatform als Beleg für den Kitsch des Buches gelesen hat. Man nennt das Ganze dann wohl Debatte, die zu dem Zeitpunkt für beendet erklärt scheint, an dem das Buch auf dem Markt ist.

Einen lesenswerten Artikel zum Thema hat Klaus Theweleit unter dem Titel “Die jüdischen Zwillinge” in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am vergangenen Sonntag geschrieben. Überhaupt: Im Reading Room der FAZ kann man noch kräftig über dieses Buch diskutieren, Meinungen von wichtigen Menschen lesen und so weiter. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die FAZ seit Anfang Februar den Roman exklusiv vorabdruckt. Daraus sollte man schon etwas machen. Und nochmals überhaupt: Bei der FAZ findet man das Buch gar nicht ganz so schlecht.

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