Apropos: Wer sich für Sport und Pop interessiert (und auch nichts gegen Speed und Deleuze hat) kann hier noch ein bisschen mehr dazu lesen.

superpunk_whynot.jpg… und das schon gleich zum Frühstück. Ich alleine mit der neuen Superpunk-Platte. Mit dem Kaffee in der Hand ein wenig abgetanzt, naja, eher ein wenig mitgewippt beim Lesen fast schon obszöner Zeitungsschlagzeilen wie “Koch reklamiert weitere Amtszeit”. Erst den Kopf geschüttelt, dann weiter geschüttelt, dann angefangen zu nicken aufgrund der Musik. Zeitung weggelegt, mir meinen Teil gedacht. Lass mir doch nicht gleich den Tag versauen! Lieber zugehört: “Ich finde alles gut” heißt der erste Song. “Why not?” heißt die Platte von Superpunk, die am vergangenen Freitag erschienen ist. Ich komme mir total webzwo.null-mäßig vor, weil ich das erste Mal eine Platte online gekauft habe. Auch wegen des CD-Plastikmülls, der sich bei mir mittlerweile stapelt, aber vor allem, weil ich nicht erst durch die Läden touren wollte, um die Platte zu hören.
Starke Scheibe! Klingt wie jede Superpunk-Platte bisher. Zwar sind die Bläser vom letzten Album sind verschwunden, sonst jedoch ist alles wie gehabt. Aber wegen musikalischer Neuerfindungen, Klang-Experimenten, usw … kauft sich doch sowieso niemand eine Platte der Band. Die Texte machen Spaß und sind mit das Charmanteste in der deutschsprachigen Popwelt. Neuerdings gibt es vielleicht mehr Midlife-Crisis als früher, aber wie immer kommt das damit verbundene Selbstmitleid musikalisch so beschwingt daher, dass es nur wenig selbstmitleidig klingt, was eine Kunst ist bei Songs wie “Ja, ich bereue alles”, “Ich funktioniere nicht mehr” oder “Ich trinke”. Heulsusen-Lyrik ist das dennoch keine, dafür ist sie irgendwie zu spröde. Selbstironisch? Vielleicht, jedoch nicht mit der damit häufig verbundenen Feigheit. Klar, die Nächte sind zu lang, die Lunge pfeift allmählich, vom Alkohol erholt man sich auch nicht mehr so schnell und wirklich rosig sieht die Zukunft auch nicht aus. Solange sich das aber so anhört, ist mir das wurscht. Kann man auf jeden Fall noch eine ganze Weile weiter tanzen. Ich mach das halt jetzt zum Frühstück, bin ja schließlich schon älter.

Hier geht’s zum Video von “Ja, ich bereue alles”.

bishop.jpgDie Europa-Tour von Bishop Allen ist zwar schon längst vorbei, doch seit ich die New Yorker Band Mitte Dezember mit dem Thomas in der Roten Sonne in München gesehen habe, bestimmt deren Scheibe Bishop Allen & The Broken String so dermaßen eindeutig meine Heavy Rotation, dass ich mich immer mehr frage, woran das wohl liegt.

Natürlich wird meine cineatische Erinnerung gekitzelt, schließlich kenne ich Justin Rice, den Sänger der Band, in erster Linie aus Andrew Bujalskis wunderbarem Independent-Film Mutual Appreciation, in dem er die Rolle eines nach New York gezogenen Musikers spielt, der dort seine Bandprojekte auf die Beine stellen will. (Mehr Schwärmereien dazu gab es schon mal hier von mir. In Bujalskis erstem Film Funny Ha Ha, den ich leider noch nicht sehen konnte, spielt Christian Rudder, der Gitarrenmann der Band, wohl die Hauptrolle).

Daneben sind es wohl auch die wirklich nicht zu überhörenden Dylan-Anklänge, die mich nach dem ersten Hören sofort im Griff hatten. Teilweise wird da beinahe Ton um Ton zitiert, etwa von It’s All Over Now, Baby Blue, ohne dass da irgendetwas abgekupfert wirkt. Und manchmal denke ich beim Hören sogar, die eine oder andere Melodie müsse auf jeden Fall von den Flaming Lips stammen – so wunderschön, auf den Punkt vollkommen ist das. Doch da haben mir schon genug Menschen widersprochen. Allgemeingültig ist diese Erkenntnis also nicht.

Man nennt das Ganze wohl Indie-Folk-Pop, was ein Begriff ist, der mich eigentlich sofort langweilt. Dazu noch dieses liebliche Artwork! Hach, wie schön, die Blumen blühen! Das ganze Auftreten der Band, der Gesang, eigentlich alles ist so dermaßen slacker-schluffi, so dermaßen artschool-mäßig, dass ich im Normalfall gleich schreien könnte. Doch hier kann ich mich anstrengen und versuchen zu lästern, so sehr ich will. Mir gefällt hier einfach alles. Ein paar Freunde machen zusammen Musik und fangen an, ihre erste Platte Charm School in Eigenregie herauszubringen. 2006 basteln sie monatlich eine EP und vertreiben die Platten dann über ihre Homepage. Das Ganze läuft gut, man wird zum Geheimtipp und es geht dahin. The Broken String ist sozusagen das erste echte Studioalbum der Band, erschienen bei Dead Oceans, und so voller Ohrwürmer, dass ich die Lieder schon beim bloßen Schreiben darüber höre. Leg ich gleich nochmal auf, diese Scheibe.

Anhören könnte und sollte man sich ein paar Songs auf der Homepage der Band und ein paar andere auf der myspace-Seite.

Zürich - MÜNCHEN - Berlin
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