noch ein nachtrag zur schmöckes-rundschau von gestern, via stefan niggemeier via netzjournalist und onlinejournalismus.de (beide thomas mrazek): Ein Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung von Steffen Range und Roland Schweins beschäftigt sich mit dem Phänomen “Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet — wie das Web den Journalismus verändert”, darin heißt es unter anderem: “Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten. Das Gros der Klicks ist dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen.” Die Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden – wenigstens dieser Klick lohnt sich also… und noch ein weiterer auch: hier geht´s zum blog der beiden autoren.
nun würde ich gerne mit einer anrede beginnen, weiß aber gar nicht, ob man sagt “lieber spon” oder “liebes spon” oder gar “liebe spon”. jedenfalls sind die ja bekannt dafür, dass sie im so genannten “panorama” für krassen pepp sorgen – wenn schon von dem politischen zeug keiner was wissen bzw. “mehr…” lesen will. also ich natürlich auch schnell die headlines und “eilmeldungen” überflogen und dann – eh klar – auf den titel “london: restaurant-gast entmannt sich mit messer” geklickt. dass die ganze story von der britischen dreckschleuder “the sun” übernommen ist, wäre nicht der rede wert, wenn die unterzeile nicht so hübsch deppert von einem “unappetitlichen zwischenfall” spräche. also, wenn ich beim essen säße und da käme einer rein und nähme sich ein messer und setzte es an seinem eigenen schwanz an, würde mir nicht nur der appetit vergehen. und das wort “zwischenfall” käme mir wohl auch nicht in den sinn.
aber à propos “eilmeldung”: die sueddeutsche online hat das ja jetzt auch schon angefangen – oh, ist schon wieder weg. ich bezeuge, dass vor ein paar minuten die hafterleichterungen für christian klar noch als eine solche gebrandmarkt gewesen waren.
und à propos klicks: auch da ist sueddeutsche-online spon schwer auf den fersen – die “diese netten menschen hat der irre asiate eiskalt erschossen”-bildergalerien gab es jedenfalls hier wie dort, nur hat spon eben noch einige interaktive karten (als popups am rechten rand des artikels) bereitgestellt und muss insofern doch wieder als sieger in der klasse “obszönität” gelten. sowieso tobt auf sueddeutsche-online um dasselbe thema offenbar gerade ein kleiner edit-war (am ende der seite) angesichts eines tatsächlich bitter schlechten textes, dessen autor offensichtlich weder paul virilios “krieg und kino” gelesen (das, wie ich gerade merke, offenbar vergriffen ist), noch michael hanekes großartigen film “benny´s video” gesehen hat. und dass er ansonsten die virtuelle gewalt andauernd verteidigt, ist ihm offenbar auch noch nicht aufgegangen. schon schön, wenn medienjournalisten keinen begriff von medialität haben…
immerhin gibt es auf dieser seite – und auch gedruckt – heute endlich den ersten gescheiten text dieser zeitung über second life. und das von andrian kreye, der treffend konzediert, dass der Medienhype um SL “nicht so sehr auf tatsächlichen Neuerungen, sondern auf der Unfähigkeit der meisten Journalisten, überschätzte Internetmoden von Phänomenen mit Durchhaltevermögen zu unterscheiden” beruhe. den ganzen text lesen!
und noch etwas schönes am ende: “musik für sechs schlagzeuger und ein appartment” – geklaut vom ohnehin unschlagbaren “endgültigen Satiremagazin Titanic”.
so:

schlimm sind wir doch auch wieder nicht…
Wer´s noch nicht gelesen hat, wie freimütig und fraglos sich die WAZ an Texten freier Journalisten bedient, dem seien hier die Erfahrungen des Medienjournalisten Peer Schader empfohlen.Und wie die Geschichte weiterging. Sehr hübsch! Und furchterregend!
Nachtrag (19. April): Und hier sollte man lesen, wie die Geschichte dann doch einigermaßen glimpflich mit einer Einigung zu Ende ging.
Sicherlich ist es eine Kunst, gute Drogen von schlechten unterscheiden zu können. Die Relevanz dieser Fähigkeit für die Praxis wagt sicherlich niemand in Frage zu stellen. Folgerichtig dokumentiert die netzeitung in ihrem Feuilleton Ausschnitte aus einem Buch von Ingo Niermann und Adriano Sack über Drogen. In diesem Artikel erfährt man dann, wie man gutes Kokain von schlechtem unterscheidet und einiges über den “würzig-süßen Geruch” von Haschisch. Süß ist dann auch die Rückversicherung der netzeitung – für den Fall, dass sich ein Leser tatsächlich ein Stück Haschisch in den Hintern stecken sollte (eine Methode des Konsums, die sicherlich auch nicht unerwähnt bleiben sollte – so dachte man sich wohl – ebensowenig wie jene, sich einen LSD-Trip unters Augenlid zu schieben). Aber weiter im Text:
Aber vergessen Sie nicht: Illegale Drogen werden nicht dadurch legal, dass man möglichst viel über sie weiß. Und gesünder werden sie dadurch auch nicht. Wer fit bleiben und alt werden möchte, kauft im Biomarkt, treibt Sport und denkt über Bewusstseinserweiterung erst lieber gar nicht nach.
Muss er auch nicht mehr. Nach so einem Satz ist zum Thema Bewusstseinserweiterung eigentlich alles gesagt – zumindest über die Möglichkeiten das Feuilletons, einen nicht unerheblichen Teil dazu beizutragen. Oder war das ein Witz?
