Schweiz, Gruppe H

von Ben Strack-Zimmermann

Die Renaissance des Eidgenossenfußballs geht in die nächste Runde. Nachdem man in Sachen Jugendarbeit mittlerweile absolute Weltklasse ist, wird sie wohl noch eine ganze Zeit lang anhalten. Auf dem Spielfeld präsentiert man sich weder als in Zeitlupe jodelnde Gemeinschaft von nasebohrenden Fonduerührern, noch als unterirdisch agierende Bande von Gold hortenden Gnom-Megalomanen, sondern als erfrischend modern aufspielende Multi-Kulti-Einheit. Ach wäre das echte Leben doch etwas mehr als der Fußball, will man da seufzen, solange man nicht zu sehr darüber nachsinniert, wie der Wurstpräse von der Säbener wohl so als deutscher Kanzler wäre. Schieben wir diese Phantasien also beiseite! Bewundern wir stattdessen Ottmar Hitzfeld dafür, das er die Schweizer Nati nach der deprimierenden Heim-EM so schnell wieder aufgerichtet hat! Dabei war der Start in die Qualifikation genauso fürchterlich, wie dann das Ende glorreich und souverän war. Die Schweizer präsentieren sich 2010 als lauffreudige, gut eingespielte Einheit, mit einigen echten Zuckerln im Team. Lediglich im Sturm gibt es gelegentlich Probleme. Vielleicht tritt man insgesamt ein wenig zu bieder auf. Eigentlich sollte man mit dem Spielermaterial noch etwas stärker aufspielen können. Ein echter Spinner könnte dem Team gut tun, aber so etwas wird anscheinend derzeit nicht produziert.
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Die Krise. Macht ja auch vor der Schweiz nicht halt. Steuererhöhungen werden diskutiert. Übernächsten Sonntag ist Abstimmung. Noch ist alles offen. Der Kampf ist hart.
die Krise, IV-Finanzierung, Schweiz
Es geht um eine befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer, von 7.6% auf 8%.

Sprach-Diktatur!
Das ist so ein typischer Vorwurf gegen die Deutschen hier, wenn die Einheimischen sich ihnen gegenüber aus freien Stücken (oder Distinktionsdrang, einer Art Artenschutz) des Hochdeutschen befleissigen.
Nur eine kleine Blüte am Rande, aus der vergangenen NZZ am Sonntag:

Steve Jobs ist im Herzen also auch ein Deutscher, was man am typisch germanisierten “Wo Gags?” sieht.
All die Hochdeutsch tippenden und ebenso an der Sprachkorrektur leidenden (nein, ich gehöre nicht dazu, ich habe nur einmal leihweise gelitten, ich laboriere nur am ganz normalen t9 ganz normaler Telefone) iPhone-Besitzer dürfen hier ihr lesenswert lustiges Leid ausschütten und noch bis Ende des Monats eine Petition gegen die Tipp-Diktatur unterschreiben.

Als große Pathos-Brüder habe ich die Schweizer bisher nicht wahrgenommen, aber jener Fernsehbeitrag, den das Schweizer Staatsfernsehen aus den ersten öffentlichen Äußerungen von Alexander Frei nach seiner Verletzung fabrizierte, belehrt mich dann tatsächlich eines Besseren. Großes Kino der Emotionen, Zeitlupe, Klaviermusik, eine Nation weint. Man kann es auch übertreiben, behaupte ich jetzt mal so distanziert und kühl.

Ein wenig peinlich ist mir, dass mir Freis Verletzung immerhin so nahe ging, dass ich während der Live-Übertragung des Spiels tatsächlich den Raum verlassen habe und dem Schlusen eine SMS schreiben musste. In manchen Momenten wollen Männer eben alleine sein, hüstel, oder unter anderen Männern, ähm. Wahrscheinlich hätte mein Film in diesem Moment, falls ich einen hätte produzieren müssen, ziemlich ähnlich ausgesehen.

Heute Abend gegen die Türken also ohne Frei. Ein Elend!

(via medienlese.com)

Vor lauter Fußball-Tragik beim 3 zu 4 der Österreicher gegen die Niederlande ging Christina Stürmers Präsentation des offiziellen EM-Songs des ÖFB beinahe unter. Das lang erwartete Lied heißt “Fieber” und hat eigentlich überhaupt nichts mit Fußball zu tun: Da explodiert ein Thermometer vor lauter Siedepunkt. Schlafen könnte ein nicht näher bezeichnetes Du anscheinend immer. Trotzdem solle es wohl auf die Straße kommen, weil es in irgendetwas mittendrin sei, irgendetwas nicht weiter erklärtem Großen. Auf der Straße würden ihm dann Hunderttausend, die Fieber haben, auf Schritt und Tritt folgen. Bei irgendetwas soll es dann dabei sein, dann würde es mit allen anderen zusammen abheben und Emotionen erleben, denn alle seien frei oder so. Wobei das kleine Wörtchen “frei” tatsächlich die letzte Vokabel wäre, die mir einfiele, wollte ich die Rahmenbedingungen bei einer UEFA-Veranstaltung beschreiben. Aber wahrscheinlich geht’s gar nicht um die EM.

Eher kein großer Wurf, dieser Song von Christina Stürmer. In diesem Video-Schnipsel springen ein paar angemalte Menschen herum, als wäre Fasching. Irgendwann soll es wohl noch eine Version mit Stadionchören geben. Aber eigentlich sind wir da jetzt nicht mehr gespannt darauf. Fieber – da lachen ja die Hühner!

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Zürich - MÜNCHEN - Berlin
  • Musste auch gesagt werden

    • slu: Prima Teil, schönen Dank für den Tipp.
    • maxl: danke dir Karl, das muss noch auf Tape für die routes nationales, ab...
    • alpe: “… sueddeutsche.de, Deutschlands beste...
    • 42317: Nach meiner Japanerfahrung stimmt der Kommentar von Herrn Koelling....
    • Ben: Wenn man die Vorbereitung als Maßstab nimmt, dann wird Holland in der...
    • Verstand in Gefahr?!: Die Gruppe E verspricht durchaus spannend zu werden....
    • maxl: wunderschön. und so kurz. danke
    • slu: Ganz ehrlich: eigentlich ein Skandal, dass die Algerier dabei sind und...
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