Sprach-Diktatur!
Das ist so ein typischer Vorwurf gegen die Deutschen hier, wenn die Einheimischen sich ihnen gegenüber aus freien Stücken (oder Distinktionsdrang, einer Art Artenschutz) des Hochdeutschen befleissigen.
Nur eine kleine Blüte am Rande, aus der vergangenen NZZ am Sonntag:

Steve Jobs ist im Herzen also auch ein Deutscher, was man am typisch germanisierten “Wo Gags?” sieht.
All die Hochdeutsch tippenden und ebenso an der Sprachkorrektur leidenden (nein, ich gehöre nicht dazu, ich habe nur einmal leihweise gelitten, ich laboriere nur am ganz normalen t9 ganz normaler Telefone) iPhone-Besitzer dürfen hier ihr lesenswert lustiges Leid ausschütten und noch bis Ende des Monats eine Petition gegen die Tipp-Diktatur unterschreiben.
Als große Pathos-Brüder habe ich die Schweizer bisher nicht wahrgenommen, aber jener Fernsehbeitrag, den das Schweizer Staatsfernsehen aus den ersten öffentlichen Äußerungen von Alexander Frei nach seiner Verletzung fabrizierte, belehrt mich dann tatsächlich eines Besseren. Großes Kino der Emotionen, Zeitlupe, Klaviermusik, eine Nation weint. Man kann es auch übertreiben, behaupte ich jetzt mal so distanziert und kühl.
Ein wenig peinlich ist mir, dass mir Freis Verletzung immerhin so nahe ging, dass ich während der Live-Übertragung des Spiels tatsächlich den Raum verlassen habe und dem Schlusen eine SMS schreiben musste. In manchen Momenten wollen Männer eben alleine sein, hüstel, oder unter anderen Männern, ähm. Wahrscheinlich hätte mein Film in diesem Moment, falls ich einen hätte produzieren müssen, ziemlich ähnlich ausgesehen.
Heute Abend gegen die Türken also ohne Frei. Ein Elend!
(via medienlese.com)
Vor lauter Fußball-Tragik beim 3 zu 4 der Österreicher gegen die Niederlande ging Christina Stürmers Präsentation des offiziellen EM-Songs des ÖFB beinahe unter. Das lang erwartete Lied heißt “Fieber” und hat eigentlich überhaupt nichts mit Fußball zu tun: Da explodiert ein Thermometer vor lauter Siedepunkt. Schlafen könnte ein nicht näher bezeichnetes Du anscheinend immer. Trotzdem solle es wohl auf die Straße kommen, weil es in irgendetwas mittendrin sei, irgendetwas nicht weiter erklärtem Großen. Auf der Straße würden ihm dann Hunderttausend, die Fieber haben, auf Schritt und Tritt folgen. Bei irgendetwas soll es dann dabei sein, dann würde es mit allen anderen zusammen abheben und Emotionen erleben, denn alle seien frei oder so. Wobei das kleine Wörtchen “frei” tatsächlich die letzte Vokabel wäre, die mir einfiele, wollte ich die Rahmenbedingungen bei einer UEFA-Veranstaltung beschreiben. Aber wahrscheinlich geht’s gar nicht um die EM.
Eher kein großer Wurf, dieser Song von Christina Stürmer. In diesem Video-Schnipsel springen ein paar angemalte Menschen herum, als wäre Fasching. Irgendwann soll es wohl noch eine Version mit Stadionchören geben. Aber eigentlich sind wir da jetzt nicht mehr gespannt darauf. Fieber – da lachen ja die Hühner!
Ich habe gerade ein Rätsel gelöst, von dem ich bis vor ein paar Minuten noch gar nichts wusste. Aber ich verrate die Lösung: Die Band, die heute zur 110-Jahres-Feier der Young Boys aus Bern im Anschluss an das Spiel gegen St. Gallen im Stade de Suisse unter dem Namen “The Häberlis” auftritt, ist: Züri West. Nicht schlecht, oder?
Eigentlich wollte ich nur ein paar Songs anhören, die auf dem EM-Sampler “Lieber ein Verlierer sein …” erscheinen werden. Auf diesem Sampler werden auch Züri West mit dem Song “hütt hei sie wieder mau gwunne” vertreten sein. Auf deren Homepage habe ich dann den entscheidenen Hinweis gefunden, um das Rätsel zu lösen. Es stand da einfach drauf.
Also EM-Songs. Wir warten weiterhin gespannt auf Christina Stürmers Versuch, den sie laut em-blogger.at am 26.3.2008 beim Freundschaftsspiel Österreich – Holland vorstellen wird. Ich kann es kaum erwarten. Echt jetzt!
Nur rein vorsorglich habe ich mich derweil mit besagtem Sampler auseinandergesetzt, der bei Las Vegas Records Ende des Monats erscheint – in Kooperation mit FM4 und dem Fußballmagazin ballesterer. 2 CDs, bezeichnet mit “Jubelstimmung” und “Katerstimmung”, mit 30 Bands aus Österreich und der Schweiz. Ein paar Songs kann man sich auf der zugehörigen MySpace-Seite anhören. Dort gibt es auch die komplette Tracklist. So richtig von den Socken haut mich da bisher zwar auch kaum ein Song, aber ein Urteil wäre aufgrund dieser kurzen Auswahl dann doch ein wenig verfrüht und unfair.
Der Sampler “Lieber ein Verlierer sein… – ein Soundtrack zu einem unsagbar wundervollen Fußballturnier” entsteht als Gegenstimme zu Elton John und Reinhard Fendrich, zu Regierungschefs in Nationaltrikots und unreflektierten Chauvinismus, zu Homophobie und Sexismus, die noch immer so manche Fankurve beherrschen, zum Konzept der totalen Überwachung, das seit Jahren in den Stadien Europas auf der
Tagesordnung steht, zu überteuerten Sponsoringzonen und zur Kommerzialisierung der letzten Freiheiten, die diese wunderbarste aller Sportarten bietet.
So liest sich das Konzept. Gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Mit dabei sind neben Züri West, die Aeronauten, TEXTA, Cafe Amigo, Monomania, Kreisky und so weiter. Besonders gespannt bin ich auf den Song von Auf Pomali (MySpace), die ich – fragt mich nicht wieso – irgendwie goldig finde.
Alles schön und gut, aber am meisten für diesen Sampler eingenommen, hat mich dann doch das youTube-Video, das auf der MySpace-Seite des Samplers – die Götter wissen warum – gepostet wurde. Ach Gott, was werd ich da sentimental! Und das, obwohl ich George Best gar nicht erlebt habe. Anschauen darf man es nach dem Klick.
Was Frau Stürmer zur EM gesanglich beitragen wird, ist immer noch nicht bekannt. Wir sind weiterhin gespannt, das hat sich nicht geändert seit dem Beitrag EM-Hymnen (Teil 1). Echt jetzt! Bekannt ist mittlerweile, dass Shaggy mit offiziellem UEFA-Siegel den EM-Song “Like A Superstar” verbrechen durfte. Der Song, ja mei, geht schon so einigermaßen. Ein paar Beats, Sprechgesang, nix zum Mitsingen, vielleicht ein wenig Hüftwackeln, als ob durch ein durchschnittliches Lied eines Karibik-Stars so etwas wie jamaikanisches Flair aufkommen könnte auf den nicht gerade für ihre Bombenstimmung bekannten Tribünen der Schweiz und Österreich. Das Video zum Song vernichtet diese kleine Hoffnung jedoch vollständig.
Die beiden EM-Maskottchen Karius und Baktus aka Trix und Flix schießen sich den offiziellen EM-Ball zu auf akurat gekämmten Bergwiesen, machen ein paar Hampelmann-Tricks, die mit Fußball gar nichts zu tun haben, bevor sie, getrieben von den Beats, zum Breakdancen anfangen. Im Hintergrund gibt es schneebedeckte Berggipfel zu bestaunen, alles in einer dermaßen flächigen, klinisch-reinen Computer-Animation präsentiert, die jegliche Hoffnung zunichte macht, dass diese Bergluft tatsächlich Sauerstoff zum Atmen enthalten könnte. Wie zum Beweis dribbeln sich die Maskottchen bald durch ein zwar brav um den zentralen Brunnen gebautes, jedoch völlig entvölkertes Bergdorf, das nur die Vermutung zulässt, man habe extra für die EM sämtliche Spuren menschlichen Lebens mit dem Kärcher entfernt. Was mit den Menschen selbst passiert ist, möchte man sich gar nicht mehr vorstellen. Schließlich finden Trix und Flix doch noch ihren Weg in ein scheinbar vollbesetztes Stadion: Zumindest das Blitzlichtgewitter auf den Rängen während des lächerlichen Maskottchen-Tanzes im Mittelkreis könnte darauf hindeuten, dass dort Menschen sitzen, und doch zeigt es erschreckend deutlich, wie man sich das ideale Fußball-Publikum vorstellt: als gesichtslose Masse von Jubelpersern, die ein wenig Hintergrundstimmung für das Fernsehen produziert, und wer “Arschloch” schreit, fliegt raus!
Es ist immer wieder erschreckend, dass Menschen, die sich doch eigentlich professionell mit der Produktion von Bildern beschäftigen, offensichtlich keine Idee davon haben, was sie da tun. Nicht den Hauch einer Ahnung von der Semiotik der Zeichen, aber Geld dafür bekommen! Und falls diese Menschen doch Bescheid wissen sollten, was ich in meinem unerschütterlichen Glauben an das Gute eigentlich ausschließe, dann ist so ein Video entweder zynisch oder wirklich gewollt bösartig. Das Video kann und sollte man sich hier auf youTube anschauen.
Die Reihe “EM-Hymnen” wird selbstverständlich fortgesetzt. Es gibt auch Gutes, ich bin mir sicher!
