Apropos: Wer sich für Sport und Pop interessiert (und auch nichts gegen Speed und Deleuze hat) kann hier noch ein bisschen mehr dazu lesen.
… oder hat der Moderator des Länderspiels Deutschland-Tschechien gerade tatsächlich im ZDF gesagt, man könne den Kommentar ausblenden, wenn man sich dadurch gestört fühlt? Das wäre wirklich mal innovativ. Wahrscheinlich habe ich mich nur verhört. Ja, so muss es gewesen sein.
“Er ist ein Aggressiv-Leader. Ähnlich wie Stefan Effenberg.” (Hitzfeld)
Zudem ist er ähnlich intelligent und sympathisch. Leider.
Kann man diesen Bommel noch verkaufen? Dann wäre ich sogar einverstanden mit dem neuen Bayern-Team.
Das Privat-Fernsehen könnte einem manchmal wirklich leid tun. Könnte. Wie soll auch eine vernünftige Sendung herauskommen, wenn das einzig Wichtige an einem Programm die Werbung zwischen, während, im schlimmsten Fall anstatt der Inhalte ist?
Wenn es Boxen nicht gäbe, würde es sicher bald erfunden von gewitzten Werbestrategen und gefeiert als das beste Werbekonzept seit Menschengedenken. Praktischer geht es ja kaum noch: Nach drei Minuten Kampf kann man eine Minute Werbung zeigen, zielgruppengerecht und immergleich: Bier, Anti-Falten-Mittel für Männer um die Vierzig, Bier. Die Werbepausen sind jeweils so kurz, dass man lieber nicht hin und her schaltet. Schließlich möchte man ja nichts vom Kampf verpassen, wenn man sich das alles schon antut. Nach der Sendung erinnert man sich an eine Werbe-Dauerschleife und sonst kaum noch etwas. Wenn der Kampf dann tatsächlich so uninteressant ist wie die künstlich hochgejubelte Revanche gestern Abend zwischen Klitschko und Brewster, ist es tatsächlich gar nicht mal so schlimm, auf Wiederholungen sportlicher Höhepunkte verzichten zu müssen. Schon in der ersten Runde war zu erkennen, dass Klitschko seinen Gegner allein mit seiner linken Führhand aufarbeiten und seine gefürchtete Rechte kaum brauchen würde. Nach der sechsten Runde war der Kampf aus. Brewsters Trainer McGirt nahm seinen sichtlich angeschlagenen Boxer aus dem Kampf. Wohlgemerkt: NACH der sechsten Runde, was soviel heißt wie IN der RTL-Werbepause: Bier, Anti-Falten-Creme, Bier. Als der Sender wieder live in die Köln-Arena schaltete, war alles schon vorbei, Klitschko jubelte und der RTL-Reporter musste mühsam die Geschehnisse während der Werbepause erläutern.
Eine mordspompöse Inszenierung, Vorberichte aus dem Training, Interviews und Trara und dann ein so dermaßen kleinlautes Ende. Um den Sport geht es bei RTL einfach nicht. Eine gewisse Schadensfreude kann ich mir da kaum verkneifen. Saublöd, wenn der Sport dann nicht so will wie die Werbestrategie. Aber wahrscheinlich geht es auch beim Boxen gar nicht um den Sport.
PS: Ja, über Fernsehwerbung darf man sich immer noch aufregen. Es ist eine Zumutung. Wer das Gefühl hat, das schon einmal gelesen zu haben … Stimmt. Hier auf diesem Blog. Es ist ja immer das Gleiche bei RTL. Nebenbei: Von welcher Firma wurde der Box-Abend gestern noch einmal präsentiert? Ich habe es vergessen.
Ob die Welt das wirklich braucht? Will man wirklich wissen, wie das Biergarten-Debüt von Mark van Bommel gelaufen ist oder ob die Miss FC Bayern des Monats April Kickboxen betreibt und eigentlich auf Football steht? Solche Fragen stelle sich der echte Fan erst gar nicht, wenn er sich die Video-Schnipsel auf dem neuen YouTube-Channel des FC Bayern München anschaut! Da ist natürlich alles wichtig! Der Content kommt aus dem vereinseigenen FCB.tv. Da werden dann Homestories, Interviews, kurze Trainingseindrücke oder ähnlich Weltbewegendes gezeigt. Fans dürfen eigene Videos hochladen und kommentieren, wie super sie den Club, das Portal und überhaupt finden. Herr Hoeneß wird sich freuen, dass manch einer schon nach Untertiteln ruft. Schließlich sei man ja international.
“Dies ist ein weiteres wichtiges Standbein innerhalb unseres Medien-Portfolios und unserer Internet-Strategie”, meint Herr Rummenigge auf Focus Online. Ein weiteres Standbein dieser Strategie: Spielausschnitte wird es auf dem Video-Channel wohl trotzdem nicht zu sehen geben. Das wirklich Interessante muss nämlich Geld kosten. Das ist klar, standbeinmäßig.
(via popkulturjunkie)
