Das G8-Theater ist zwar mittlerweile vorbei, aber auf den allerschönsten Kommentar von allen zu diesem Thema möchte ich doch noch hinweisen, weil ich ihn gerade erst entdeckt habe.

Bietet der Sport nicht immer wieder die wunderbarsten Erklärungsmodelle für unser aller Leben, möchte ich da glatt ganz schwülstig fragen. In diesem Fall ist es der Schachsport: Matt auf G8

Wer sich auch nur einen Hauch für Fußball interessiert und nicht sowieso schon seit Stunden sein Leben damit bereichert, der sollte sich unbedingt sofort das sensationelle, geniale, wahnwitzige Tor von Lionel Messi in der 29. Minute des spanischen Pokal-Halbfinal-Spiels zum 2:0 zwischen Barcelona und Getafe auf der Website des Meisters anschauen. Wir singen: “Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen.” Nicht seit Maradona 1986.

Ich habe schon überlegt, ob ich das Video nicht einfach klaue und gleich hier poste. Sowas Schönes für die eigene Seite findet man in tausend Jahren nicht mehr. Nebenbei: Was sagt da das Recht dazu?

Wir singen weiter: “Und wo bleibt das Drei-zu-Null?” Hier, wieder von Messi, wieder sensationell.

Das gestrige Champions-League-Spiel zwischen dem AC Milan und dem FC Bayern war ein miserables Fußballspiel zweier Mannschaften in der Krise. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als Milan schon 1:0 führte, sah man vor allem auf Seiten der Bayern Fehlpässe zuhauf, weite Bälle ins Nichts, Stoppfehler und Unsicherheiten in der Verteidigung. Und Torchancen hatten weder Makaay noch Podolski. Zwischenzeitlich roch es schon schwer nach einer abermaligen Demütigung für den FC Bayern.

Man darf sich beim unfähigen AC Milan bedanken, dass das Spiel doch noch zu dem wurde, was man als Fußballfan so liebt: ein Drama mit Schurken und Helden, Gemeinheiten und Wiedergutmachungen. Erst der überraschende Ausgleich für die Bayern, dann ein unberechtigter Elfmeter für Milan nach einem wunderschönen Lehrbuch-Tackling von Lucio gegen Kaka wenige Minuten vor Schluss. (Als Zuschauer musste man unweigerlich an all die gekauften Strafstöße der letzten Saison in der italienischen Liga denken. Auch der Moderator konnte sich eine Bemerkung dazu nicht verkneifen, so lächerlich und hilflos, beinahe ferngesteuert, wirkte diese Schiedsrichter-Entscheidung.) Als van Buyten dann doch noch den Ball in der 93. Minute aus spitzem Winkel zum Ausgleich ins Mailänder Tor drosch, war das, mal wieder, die Vollendung einer Dramaturgie, die es so nur im Fußball gibt: Ein Tor zum Ausgleich egalisiert sämtliche Ungerechtigkeiten und mischt die Karten neu. Als ob sich das Schicksal nach irgendeinem göttlichen Plan gewendet, als ob sich Zufälle und Millimeter-Entscheidungen zu einem großen Ganzen zusammengefügt hätten. Lächerlich natürlich, aber man weiß ja, es funktioniert jedes Mal wieder. Erst mit einigem Abstand ist so ein Tor einfach nur ein Tor, zufällig, eigentlich belanglos. Und dann fällt einem vielleicht auch wieder ein, dass Milan zuvor ein reguläres Tor aberkannt wurde.

Nebenbei: Wer präsentiert denn eigentlich die Champions-League?

Ums Boxen ging es sowieso nicht am Samstag Abend auf RTL, als Henry Maske sein großes Comeback feierte gegen einen deutlich unterlegenen Virgil Hill. Böse geunkt wurde ja, Maske könne nur verlieren und würde wie ein geprügelter Hund nach Hause schleichen. Der sportliche Wert der Veranstaltung wurde im Vorfeld allerorten tief im Minus-Bereich veranschlagt. Der Kampf war dann auch stinklangweilig, was Maske nicht weiter zu stören braucht. Gewonnen ist gewonnen.

Bitter ist nur, was der Sport selbst dem Sender RTL in seiner Sportveranstaltung war: absolut lästig. Der Kampf: 14 Runden Werbung mit 12 Boxunterbrechungen, kaum Wiederholungen, Zeitlupen, Analysen oder ähnliches, in den Rundenpausen schon gleich gar nicht, wäre zwar interessant, brächte aber kein Geld. Gefühlte tausend Mal musste man sich anhören, welche Autofirma in ihrer grandiosen Güte den Abend präsentiert (oder war es eine Reifenfirma, Rasiergel, Waschmittel, Hundekuchen? Bekommt das überhaupt irgendjemand mit bei dieser Form der Belästigung? Nebenbei: Wer präsentiert denn gleich nochmal die Sportschau?) Als dann der finale Gong ertönt, der Kampf zu Ende ist, die RTL-Uhr aber immer noch einige Sekunden anzeigt, war das nicht einmal eine Bemerkung wert. Stattdessen die Bestätigung der eigenen Wichtigkeit in allen Tonlagen: Sensation! Wahnsinn! Sportgeschichte sei geschrieben worden! Maske einer der Allergrößten! Hier bei RTL!

Und irgendwann tat einem sogar Maske trotz Sieg und Millionengage leid. Wollte er also tatsächlich nochmals boxen, um seinen Karrieremakel zu korrigieren, trainierte hart, machte sich auch gar nicht lächerlich und trotzdem wird sein Boxabend als Farce in Erinnerung bleiben. Ums Boxen ging es gar nicht bei RTL.

PS: Ja, man darf sich immer noch über Fernsehwerbung aufregen.

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