„Ich bin ja”, sagt der Rentner Manfred Meyer, „ein besserer Beichtvater der Wohlhabenden gewesen.” Wem vertraue sich jemand an, der sein Leben um sein Vermögen gewickelt habe? Nicht unbedingt dem Pfarrer, sondern dem Chef der Deutschen Bank in Starnberg.”

So schöne Sätze kommen in der Reportage „Die Starnberger Republik” der beiden ZEIT-Journalisten Stephan Lebert und Stefan Willeke vor, die dafür am vergangenen Donnerstag mit dem Herbert Riehl-Heyse-Preis ausgezeichnet wurden. Sie beschreiben darin das Leben der zumeist steinreichen Menschen am Starnberger See. Anfangs habe ich mich beim Lesen königlich amüsiert. Recht garstig wird da die Kleingeistigkeit der Großbürger geschildert, ihr Anfechten jeder Gemeindeverordnung, ihr arrogantes Herabschauen auf Normalbürger, ihr empörtes „Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?”, doch irgendwann erkennt man dann doch den melancholischen Ton, der die ganze Reportage erst so großartig macht. Man bekommt beinahe schon Mitleid mit diesen Menschen und ihrer Hoffnung auf eine – zumindest für sie – heile Welt.

Wer ein wenig Zeit übrig hat: Den Text kann man hier im ZEIT Dossier lesen. Dort ist er bereits im Dezember 2006 erschienen. Die SZ hat ihn heute wegen der Preisverleihung noch einmal nachgedruckt. Der Text ist recht lang, es lohnt sich aber. Und für die, die den Starnberger See kennen und sich schon immer über das seltsame Gefühl gewundert haben, das uns Normalbürger dort gerne befällt:

Vielleicht hat der See das Bewusstsein verdorben, die Leute beginnen sich nach einer surrealen Vollkommenheit zu sehnen, die der Schmutz der Alltagswelt nicht mehr trübt: Zu der schönsten Abendsonne der Welt muss sich die schönste Herrschaftsform der Welt gesellen, die Demokratie der höheren Stände. Die Starnberger Republik.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keinen Kommentar.

  • Musste auch gesagt werden

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany.